Wachstumsmotor Gründungen aus Großforschungseinrichtungen

Am 13.12.2017 stellten beim Unternehmertreffen „Unternehmen: wachsen“ Unternehmen aus dem Umfeld des Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) sich und ihre Gründungsgeschichte vor und diskutierten diese mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Unternehmertreffens – darunter viele Unternehmerinnen und Unternehmer. Deutlich wurde: Großforschungseinrichtungen können mit einer entsprechenden Transfer- und Gründungsstrategie Wachstumsprozesse anstoßen, von denen sowohl die Gründer als auch das Forschungszentrum profitieren. Bei allen Unterschieden bezüglich Produkten und Märkten ähneln sich dabei die Herausforderungen, denen sich die Ausgründungen gegenüber stehen: Wie wird aus einem Wissenschaftler ein Unternehmer? Wie schaffe ich Vertrauen beim Kunden? Und vor allen Dingen: Wie lassen sich der Labormaßstab skalieren und effiziente Organisationsprozesse gestalten?

Gastgeber des Unternehmertreffens war das Technologietransfer-Unternehmen HZDR Innovation GmbH, deren Gesellschafter das HZDR und die GWT-TUD GmbH der Universität Dresden sind. Das Unternehmen, das seit seiner Gründung im Jahr 2011 kontinuierlich gewachsen ist, setzt u.a. auf die gemeinschaftliche Nutzung der High-Tech-Geräte und Anlagen des HZDR sowie auf Ausgründungen. Eine besondere Erfolgsgeschichte, die Prof. Dr. Andreas Kolitsch, Geschäftsführer der HZDR Innovation GmbH, in seinem Beitrag vorstellte, ist die Zusammenarbeit mit führenden Halbleiterherstellern im Bereich der Hochenergie-Ionenimplantation, mit welcher die Eigenschaften von Leistungshalbleitern gezielt verbessert werden können. Da es weltweit nur wenige Anbieter gibt, konnte dieses Geschäftsfeld kontinuierlich entwickelt werden. Voraussetzung hierfür waren unter anderem die mutige Kundenakquisition sowie der Aufbau von Vertrauen beim Kunden in die Leistungsfähigkeit einer Ausgründung. Dies gelang unter anderem durch die gemeinsame Produktentwicklung mit Großunternehmen. Eine weitere – unabdingbare – Grundlage des Wachstums stellt die ständige Kostenkontrolle dar, die durch eine stetige Entwicklung hin zu effizienteren Organisationsprozessen und Methoden gewährleistet wurde.

Die Einnahmen aus der Arbeit der HZDR GmbH gehen überwiegend an das HZDR, wo sie etwa für neue Gesellschaften genutzt werden können. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Ausgründung ist die Biconex GmbH, die neue umweltverträgliche Technologien für die Vorbehandlung von Kunststoffen entwickelt. Diese werden vor allem für die Herstellung dekorativer Chromschichten in Fahrzeugen und für Sanitärartikel benötigt. Für Nischenmärkte bietet das Unternehmen seinen Kunden den Ersatz von Metallbauteilen durch leichtere und kostengünstigere beschichtete Kunststoffe an. Die Herausforderung bestand für Biconex als Branchenneuling darin, sich im Markt zu orientieren und die erforderlichen Netzwerke zu erschließen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war dabei, dass bereits ein halbes Jahr nach der Gründung ein Serienkunde gefunden wurde. Heute engagiert sich ein privater Investor, der dem Unternehmen eine langfristige Perspektive bietet, welche auch den Kunden die notwendige Sicherheit gibt. Auf dem Weg, „Wissenschaftler zu Unternehmern zu machen“ hat Biconex insbesondere auf Beratung von Brancheninsidern gesetzt und damit gute Erfahrungen gemacht. Letztendlich, so der Geschäftsführer Dr. Jürgen Hofinger, geht es darum, das Umfeld und den persönlichen Nutzen der Kunden wirklich zu verstehen. Gleichzeitig muss es gelingen, die neuen Verfahren vom Labormaßstab in die Produktion zu skalieren– nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch.

Wiederum einen anderen Entwicklungspfad hat die ROTOP Pharmaka GmbH eingeschlagen, deren Entwicklung von Dr. Antje Sterger, COO des Unternehmens, vorgestellt wurde. Die im Jahr 2000 gegründete ROTOP Pharmaka GmbH hat ihre Wurzeln im früheren Zentralinstitut für Kernforschung Rossendorf. Zielsetzung der Gründung war es, die radiopharmazeutische Kompetenz am Standort zu nutzen und weiterzuführen, insbesondere durch die kommerzielle Herstellung und den Vertrieb von 99mTc-Kits. Das Unternehmen konnte auf dieser Grundlage stetig wachsen. Die Firmenentwicklung ist durch ständige Erweiterung des Produktsortiments, neue Arzneimittelzulassungen und weitere weltweite Ausdehnung des Vertriebsnetzwerkes gekennzeichnet. Mittlerweile ist das Unternehmen mit seinen Produkten in über 30 Ländern weltweit vertreten. Frau Dr. Sterger stellte die vielfältigen Herausforderungen vor, die das Unternehmen auf diesem Wachstumspfad bewältigen musste. Hierzu gehörte neben der Fachkräftesituation bzw. -entwicklung und den hohen Zertifizierungsanforderungen in der pharmazeutischen Industrie insbesondere die Etablierung weiterer internationaler Märkte. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ist das Unternehmen in strategische Partnerschaften und Kooperationen eingebunden.

In der Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde deutlich, dass die große Herausforderung für Gründungen aus einer Großforschungseinrichtung das „Unternehmerische“ ist. Die Entwicklung einer eigenen Unternehmenskultur wurde dabei als langfristiger Prozess beschrieben, der auch externe Begleitung und Impulse erfordert. Mit Blick auf das „Unternehmerische“ fasste ein Gründer seine Erfahrungen mit „Care, but not too much“ zusammen: Unternehmerisches Engagement erfordert auch ein gewisses Maß an Distanz, um möglicherweise eingeschlagene Sackgassen erkennen und rechtzeitig umkehren zu können.

 

Über den Dialog „Unternehmen: wachsen“

Die Unternehmertreffen „Unternehmen: wachsen“ finden im Rahmen des Dialogs „Unternehmen: wachsen“ statt. Zielsetzung der unternehmertreffen ist, dass Unternehmerinnen und Unternehmern die Möglichkeit gegeben wird, sich in ungezwungener Atmosphäre zu ihren Wachstumserfahrungen und -ideen auszutauschen. Der Dialog „Unternehmen: wachsen“ wird im Rahmen der Projektstelle „Förderung von unternehmerischem Wachstum in den neuen Bundesländern“ durchgeführt, eine Initiative der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Ziel des Dialogs ist es, mit neuen Ideen und guten Lösungen Impulse für mehr unternehmerisches Wachstum zu geben. Eingeladen zum Dialog sind engagierte Unternehmen, Gründerinnen und Gründer, Wissenschaft, Netzwerke, Cluster und alle, die Ideen und Erfahrungen in den Dialog einbringen wollen. Weitere Informationen finden Sie auf http://www.dialog-unternehmen-wachsen.de/.

 

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