Schritt für Schritt den Produktionsprozess digitalisieren

Digitalisierung – drei Beispiele für die gelungene Digitalisierung von wachsenden Unternehmen wurden am 29. Mai 2018 in Wernigerode präsentiert und diskutiert. Der Dialog „Unternehmen: wachsen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und die Hochschule Harz hatten zu einer Veranstaltung bei der Firma Krebs&Aulich eingeladen, bei der auch die Inhaber der Firma Brömse und der Tischlerei Rainer Böhme ihre Digitalisierungsgeschichte vorstellten. Alle drei Unternehmen haben in den letzten Jahren einen Wachstumsprozess durchlaufen, der teils auch auf dem Zusammenschluss von Unternehmen bzw. dem Aufkaufen von Unternehmen beruhte. Dabei spielte jeweils auch die Digitalisierung eine entscheidende Rolle – insbesondere auch um die aufgrund des Wachstumsprozesses komplexer werdenden Prozesse handhabbar zu machen.

Gleich nach einer Begrüßung durch den Gastgeber Martin Sobczyk und Vertretern des BMWi sowie des Dialogs Unternehmen: wachsen stellte Herr Sobczyk in seinem Impulsvortrag die Digitalisierung der Krebs&Aulich GmbH vor. Er sieht die Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil für sein Unternehmen in einem komplexer werdenden Umfeld. Um das Unternehmen zu digitalisieren, wurden aus der Produktion der Elektromaschinen heraus die Prozesse gestaltet und dann um die vorhandenen Softwarelösungen herum eine digitale Hülle entwickelt, was zu einem durchgehend digitalisierten Produktionsprozess führte. Dabei arbeitete er eng mit seinem Nachredner – Herrn Brömse – zusammen. Dieses Beispiel für die regionale Zusammenarbeit zeigte die Bedeutung auf, die regionalen Netzwerken bzw. der Region zukommt. Mit Blick auf die regionalen Standortfaktoren berichtete er über die Herausforderungen beim Breitbandausbau aber zugleich auch von den positiven Faktoren, die von der Hochschulstruktur der Region ausgehen.

Anschließend präsentierte Stefan Brömse die Wachstums- und Digitalisierungsstrategie seiner Firma, die Fenster, Türen und Rollläden herstellt. Das Besondere ist, dass Herr Brömse eine IT-Firma gegründet hat, die sich auf die Software-Integration in produzierenden Unternehmen spezialisiert hat und diese Dienstleistung nicht nur für das eigene Unternehmen nutzt, sondern diese auch anderen Firmen anbietet, etwa bei der schon erwähnten Integration der Software-Anwendungen in der Firma Krebs&Aulich. Vor nun fünf Jahren begann Brömse damit, um die vorhandenen Software-Produkte herum eine eigene Digitalwelt zu bauen, deren Steuerung er heute von seinem Smartphone aus überwachsen kann. Dies wurde auch deswegen erforderlich, weil ohne die Digitalisierung kein weiteres Wachstum möglich gewesen wäre. Er betonte die große Bedeutung, welche die Mitarbeiter für den Prozess der Digitalisierung haben und wie wichtig es sei, die Mitarbeitermit ihrer Kenntnis des Produktionsprozesses in die Digitalisierung einzubeziehen.

Tischler Rainer Böhme kann ebenfalls den gesamten Produktionsprozess in seiner Werkstatt von seinem Smartphone aus im Auge behalten. Für ihn ist die Digitalisierung notwendig, um komplexe Projekte zu realisieren. Damit er als Tischler „wieder kreativ arbeiten“ könne, statt nur zu organisieren, hat er den Prozess effizient digitalisiert. Tischlereiprodukte sind immer einzigartig und in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden gestaltet. Die Herausforderung ist, die Wünsche der Kunden richtig zu verstehen und sie auch richtig an die Mitarbeiter weiterzugeben. Er stellte den Produktionsprozess anhand des Beispiels einer eleganten Spindeltreppe vor. Wie schon bei den ersten Impulsvorträgen hat er die einzelnen Softwareanwendungen in einen digitalen Gesamtprozess integriert.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie individuell und zugleich langwierig die Integration der vorhandenen Software-Anwendungen in einen Gesamtprozess ist. Es ist wichtig, die Mitarbeiter stets einzubeziehen und rechtzeitig zu schulen. Dies ist leichter gesagt als getan, insbesondere in Zeiten, in denen es schwieriger wird, Fachkräfte zu finden und erfordert daher viel Umsicht. Die Teilnehmer waren sich beim abschließenden Get-together einig, viele interessante Aspekte gehört zu haben und konnten ihr regionales Netzwerk erweitern.

Kommentare (0)

Melden Sie sich auf der Plattform an, um Kommentare abzugeben.