Digitalisierung und Vernetzung gehören zusammen

Digitalisierung und Vernetzung – diese zwei Wachstumstreiber wurden am 30. August bei der Firma microfluidic ChipShop in Jena diskutiert. Wie relevant dieses Thema ist, zeigte sich durch die fast 40 Teilnehmer, die an diesem Abend zusammenkamen. Vor dem eigentlichen Treffen führten Geschäftsführerin Dr. Claudia Gärtner und CSO Dr. Holger Becker durch das Unternehmen, das Lab-on-a-Chip-Systeme entwickelt und produziert. Die Teilnehmer am Firmenrundgang bekamen Einblicke in die verschiedenen Entwicklungsschritte und Anwendungen von Lab-on-a-Chip-Systemen.

Herr Dornbusch, Leiter des Referats Wirtschafts- und Finanzpolitik im Arbeitsstab Neue Bundesländer des BMWi begrüßte zunächst die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und erläuterte Zielsetzungen und Hintergründe des Dialogs „Unternehmen: wachsen“, bevor Frau Dr. Stahl-Rolf von der VDI TZ, die vom BMWi mit der Durchführung des Dialogs beauftragt ist, sowie Herr Dr. Becker als Gastgeber des Treffens die Anwesenden willkommen hießen.

In seinem Impulsvortrag stellte Herr Dr. Becker zunächst die Wachstumsgeschichte des Unternehmens microfluidic ChipShop vor. In den gut 10 Jahren seines Bestehens ist das Unternehmen kontinuierlich auf fast 100 Mitarbeiter angewachsen. Wachstumstreiber sind nicht zuletzt der Trend zur Miniaturisierung in der Diagnostikbranche und die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens am Markt. Während das Unternehmen seine internen Prozesse bereits gut digitalisiert hat, sieht es insbesondere Weiterentwicklungsbedarf bei der Digitalisierung der Schnittstellen zum Kunden. Denn die Kundenbedürfnisse zu verstehen und in ein technisches Produkt umzusetzen ist zeitaufwendig und kommunikationsintensiv. Mit der Digitalisierung dieses Prozesses könnte Zeit eingespart werden und ein weiterer Wettbewerbsvorteil entstehen. Wie und ob dieser Prozess digitalisierbar ist – etwa durch Nutzung von künstlicher Intelligenz -, wurde intensiv diskutiert. Es zeigte sich, dass diese Frage viele Unternehmer umtreibt, bei denen jedes Produkt individuell für den Kunden konfiguriert wird. Diese Frage wurde bereits bei unserem Unternehmertreffen in Wernigerode angesprochen.

Den zweiten Impuls gab Martin Richter vom Smart Infrastrucure Hub des "SpinLab", der renommierten Gründerschmiede der Handelshochschule Leipzig. Ziel des Hubs ist es, etablierte Unternehmen und Gründer zusammenzubringen und gemeinsam Innovationen anzustoßen. Schwerpunkte sind die Themen Energie, Smart City und eHealth. Er ging darauf ein, wie der Austausch zwischen etablierter Wirtschaft und Startups zu innovativen Impulsen in KMU beitragen kann. Hintergrund ist sein Verständnis von Wachstum in KMU als Herausforderung durch Digitalisierung und Zusammenarbeit mit Startups und Wissenschaft. Insofern gab er mit seinem Impuls auch eine Antwort auf die Fragestellung von Herrn Becker nach einer neuen „Digitalisierungsdimension“ in den Kundenbeziehungen.

Im dritten Impuls stellte Frau Schön-Ott das KrämerLoft Coworking Space in Erfurt vor. Sie zeigte, wie digitale und persönliche Vernetzung parallel notwendig sind, um das nötige Vertrauen für Zusammenarbeit und Innovation aufzubauen. Sie bietet KMU z.B. die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern einen dezentralen Arbeitsplatz in Wohnortnähe zu bieten. Voraussetzung hierfür ist natürlich die Digitalisierung der jeweiligen Unternehmensprozesse. Außerdem kann ein Coworking Space auch als Sprungbrett für eine Expansion in eine neue Region dienen: Durch das Einmieten in ein solches Gemeinschaftsbüro mit Netzwerkaktivitäten können regionale Kontakte geknüpft und so regionale Wachstumsprozesse angestoßen werden. Weitere Vorteile ergeben sich aus dem Austausch mit anderen Nutzern des Coworking Spaces. Dies trägt auch dazu bei, dass Ideen aus der Start-up Szene über die im Coworking Space arbeitenden Personen in die KMU transferiert werden.

Im anschließenden Round-Table-Gespräch wurde deutlich, wie verschiedene Wachstumstreiber – von der Digitalisierung über Fachkräfte bis hin zu regionalen und überregionalen Netzwerken – zusammenhängen. Als eine große Herausforderung wurde neben der Digitalisierung interner Unternehmensprozesse die Schnittstelle zum Kunden diskutiert. Neben der (digitalen) Erfassung und Auswertung kundenspezifischer Anforderungen z.B. bei der Angebotsgestaltung wurde dabei auch das Thema „Digitalisierung der Schnittstellen zu großen Unternehmen“ angesprochen. Diese individuellen Schnittstellen müssten jeweils gepflegt werden und die eigenen Systeme angepasst werden, was für ein kleines Unternehmen ein Kraftakt sei.

Insgesamt kamen viele Aspekte rund um das Thema Wachstum mit und durch Digitalisierung und Vernetzung zur Sprache. Im Anschluss an den „offiziellen“ Teil nutzen die meisten Teilnehmer den Imbiss zur weiteren Diskussion und zum Knüpfen neuer Kontakte. Ein gelungenes Treffen, für das wir uns bei den Gastgebern herzlich bedanken!

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