Fachkräftesicherung durch viele kleine Maßnahmen

Zur Besichtigung des hochmodernen neuen Rechnerzentrums in Bautzen-Salzenforst fand sich bereits fast die komplette Teilnehmerrunde des Unternehmertreffens zusammen. Nach dem Sicherheitscheck mit Personalausweis war es möglich, die verschiedenen Räumlichkeiten vom Serverraum über die Stromzufuhrsicherung bis zur automatischen Löschanlage zu sehen. Auch die Kühlung ist in einem Rechenzentrum ein wichtiges Thema und die Abwärme wird selbstverständlich als Heizung für die Büros im Winter genutzt. Anschließend ging es zum “offiziellen Teil“ des Unternehmertreffens in die geräumige Kantine des Unternehmens.

Nach einer kurzen Begrüßung durch das BMWi und die von diesem mit dem Dialog „Unternehmen: wachsen“ beauftragte VDI Technologiezentrum GmbH stellte Herr Helbig als Vertretung für den verhinderten Geschäftsführer Herrn Kruse in seinem Impulsvortrag die itelligence Global Managed Services GmbH und ihre Aktivitäten zur Fachkräftesicherung vor. Die itelligence Group ist weltweit tätig und wächst schon seit 10 Jahren stark, in Bautzen gibt es nun insgesamt drei Rechenzentren und damit viele IT-Arbeitsplätze. Aufgrund der demografischen Entwicklung und  der Lage abseits der Metropolen spielt das Thema Fachkräftesicherung bereits seit einiger Zeit eine große Rolle, jedoch gelingt es mit verschiedenen Maßnahmen relativ gut, Mitarbeiter zu finden und zu halten. Für ersteres ist eine Kooperation mit den Hochschulen in der Region wichtig, für letzteres sorgt ein Bündel an Maßnahmen in den Bereichen Familienfreundlichkeit, Arbeitszeitflexibilität, gesundheitsfördernde Maßnahmen (z.B. gratis Obst und Getränke, Fitness-Studio). Auch gibt es ein Mitarbeiter-Empfehlungsprogramm. Als relativ großes Unternehmen hilft der Bekanntheitsgrad in gewissem Umfang bei der Mitarbeitersuche.

Im zweiten Impuls zeigte Herr Medack von den ArchitektenIngenieureBautzen, wie ein kleineres Unternehmen Experte in einem Bereich werden muss, um in diesem Bereich eine gewisse Bekanntheit zu erlangen und als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Zu diesem Zweck muss man sich mit Experten in Forschung und Praxis vernetzen. Bei den AIB sind es die Themen Energieeffizienz und Carbonbeton. Selbstverständlich bietet auch Herr Medack seinen Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten und Unterstützung für Eltern, viele Maßnahmen in diesem Bereich sind heute auch Standard und es geht gar nicht ohne sie. Letztlich ist die Fachkräftesituation für das Unternehmen ein echtes Wachstumshindernis, es gibt mehr potentielle Aufträge als neue Mitarbeiter. AIB will überregional wachsen, was aber das Fachkräfteproblem in Bautzen nicht lösen wird.

In der Diskussionsrunde berichteten alle anwesenden Unternehmer von ihren Erfahrungen mit der Fachkräftesituation. Es wurde deutlich, dass es auch in Dresden nicht leicht ist, als mittelständisches Unternehmen Facharbeiter zu werben, während die Nähe zur TU Dresden dabei hilft, akademisch qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Alle kleineren Firmen waren sich einig, dass es nicht sehr hilfreich ist, Headhunter einzusetzen und dass regionsfremde Arbeitnehmer gern auch wieder nach wenigen Jahren eine neue Stelle suchen, weswegen die Firmen möglichst lokal suchen. Sie bilden auch selbst aus, jedoch ist der Weg mit ÖPNV zu den Berufsschulen mühselig. Zudem ist die Bevölkerungsdichte gering und es gibt gar nicht genügend junge Leute, die überhaupt eine Ausbildung machen wollen.

Das Fazit der Diskussion war, dass man mit einer Vielzahl an Maßnahmen am Ende bislang zurechtkommt. Dazu gehören Berufsorientierungsveranstaltungen, Mitarbeiterempfehlungen, Ausbildungsmessen, direkte Ansprache in Schulen oder Universitäten. Ob das auch für die Zukunft ausreicht, wird sich noch zeigen. Das Gespräch zeigte einmal mehr, wie groß die Herausforderungen sind, die mit dem demografischen Wandel und der geringer werdenden Zahl von Fachkräften einhergehen. Wichtig sei es, in dieser Situation das Nachbarunternehmen nicht nur als Konkurrenten um gute Mitarbeiter, sondern auch als Netzwerkpartner für die Fachkräftesicherung in der Region wahrzunehmen. Vor diesem Hintergrund tauschten sich die Teilnehmer beim abschließenden Get Together noch intensiv aus und sprachen über mögliche gemeinsame Projekte und Aktivitäten in der Region.

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