Wachstum durch Weitsicht für internationale Märkte

Interview mit Denny Holland-Moritz, Werksleiter der Geratherm Medical AG in Geschwenda (Thüringen)

Von Tim Gabel am 11.07.2019

Für eine erfolgreiche Wachstumsstrategie kann es als Unternehmer sinnvoll sein, über den nationalen Tellerrand hinauszublicken. Die Internationalisierung kann das Wachstum beschleunigen, birgt aber auch Herausforderungen. Die Geratherm Medical AG liefert jährlich bis zu fünf Millionen medizinische Glasthermometer aus, überwiegend ins Ausland. Es könnten bald noch wesentlich mehr werden.

 

Das Werksgelände der Geratherm Medical AG. Foto: Geratherm Medical AG

 Das Werksgelände der Geratherm Medical AG. Foto: Geratherm Medical AG

 

Was produziert ihre Firma bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Die Geratherm Medical ist ein international ausgerichtetes Medizintechnikunternehmen. Unsere Wurzeln liegen in der medizinischen Temperaturmessung. In diesem Bereich bieten wir ein breites Spektrum von Produkten an. Wir stellen unseren Kunden/Patienten hochwertige Produkte vom Fieberthermometer bis zu komplexen Wärmesystemen für den OP- und Rettungsbereich zur Verfügung. Im Bereich Cardio konzentrieren wir uns auf Produktentwicklungen zur Detektion von Vorhofflimmern zur Schlaganfallprävention. Das Segment Respiratory entwickelt, produziert und vertreibt Produkte zur Lungenfunktionsmessung.

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen? (Mitarbeiter, Umsatz, etc.)

Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren schon deutlich gewachsen und könnte nun noch einmal auf deutlich über 100 Mitarbeiter am Standort Geschwenda wachsen. Die hohe Qualität in der Produktion könnte Geratherm zu einem der wichtigsten Glasthermometer-Hersteller auf dem Weltmarkt machen. Wir profitieren dabei auch vom Quecksilber-Verbot, das von Anfang 2020 in rund 90 Ländern der Welt gilt. Geratherm füllt seine Thermometer seit jeher mit dem Ersatzstoff Gallinstan, den die Firma selbst entwickelt und patentiert hat. Will man mit Gallinstan arbeiten, muss man bei der Herstellung von Thermometern sehr präzise sein. Bislang werden weltweit ca. 200-300 Mio. Quecksilberthermometer produziert, sodass Geratherm bisher eine Nische mit ihrem quecksilberfreien Thermometer besetzt. Durch das Verbot könnte der Anteil deutlich steigen.

 

Bild aus der Lagerhalle der Geratherm Medical AG. Foto: Tim Gabel / VDI TZ GmbH

 Bild aus der Lagerhalle der Geratherm Medical AG. Foto: Tim Gabel / VDI TZ GmbH

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum? (Was ist der Grundgedanke)

Neben der Qualität und der Einzigartigkeit des Produktes sind weitere Faktoren für unseren Erfolg verantwortlich. Die Finanzierung steht auf verschiedenen Beinen. Wir bieten neben den Glasthermometern zum Beispiel auch digitale Thermometer, Inkubatoren und Blutdruckgeräte an. Und wir agieren international, dabei ist der regelmäßige persönliche Kontakt mit dem Netzwerk ein großer Erfolgsfaktor. Unser Gründer und Vorstand Dr. Gert Frank war einer der ersten deutschen Medizintechnikhersteller, der auch auf der Arab Health in Dubai ausgestellt hat. Es ist entscheidend, sich vor Ort einen guten Namen zu machen. Inzwischen machen wir in Dubai mehr Umsatz als in Deutschland. Ich fliege weiterhin jedes Jahr persönlich zu der Medizintechnikmesse, um Kunden und Händler aus dem arabischen Raum oder Asien zu treffen.

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Ein Schlüssel für unseren internationalen Erfolg sind stabile Händlernetze. Jährlich muss man dafür aber zwei oder drei neue Händler finden. Man muss immer bereit sein zu suchen und sich persönlich zu treffen. Wir hatten auch schon negative Erfahrungen, die werden aber durch ein persönliches Engagement minimiert. Eine weitere Herausforderung ist es, eine breite Produktpalette aufzubauen. Sich auf ein Produkt zu verlassen, kann gerade für Medizintechnikhersteller schnell nach hinten losgehen. Die Zulassungszeiten sind teilweise sehr hoch und unberechenbar. Wir haben in China sechs Jahre gebraucht, bis unsere Glasthermometer zugelassen wurden. Das andere Produkte dann bereits erfolgreich sind, ist für die gegenseitige Refinanzierung wichtig.

 

Denny Holland-Moritz, Werksleiter der Geratherm
Medical AG. Foto: Geratherm Medical AG

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Wenn man international erfolgreich sein und wachsen möchte, sind Alleinstellungsmerkmale der Produkte hilfreich, also Innovationen in der Nische und eine gewisses Maß an Weitsicht. Erfolgsfaktoren sind zudem ein intensives persönliches Engagement vor Ort und eine breite Produktpalette.

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