Smarte Produktion um Wachstum möglich zu machen

Interview mit Enrico Jakusch, Geschäftsführer der Drehtechnik Jakusch GmbH (Saalfeld, Thüringen)

Von Tim Gabel am 17.10.2019

Die Einsicht, dass ein Unternehmen die ersten Schritte Richtung Industrie 4.0 gehen sollte, kommt bei der Geschäftsführung häufig erst dann, wenn Probleme auftauchen. Als die Drehtechnik Jakusch GmbH 2016 diese ersten Schritte ging, war die Auftragslage allerdings so gut wie nie. Die Maschinen liefen auf Hochtouren, die Firma erlebte einen richtigen Boom. Trotzdem war es genau diese Situation, die der Auslöser für ein Umdenken war, erzählt Geschäftsführer Enrico Jakusch im Interview.

 

Der Firmensitz der Drehtechnik Jakusch GmbH in Saalfeld (Thüringen). Foto: Tilman Vogler / VDI TZ GmbH

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Die Firma Drehtechnik Jakusch GmbH gibt es jetzt seit 25 Jahren. Wir sind ein klassischer Fertigungsdienstleister für Präzisionsteile in kleinen und mittleren Stückzahlen. Am Standort Saalfeld bearbeiten wir Metall in all seinen Formen, u.a. Stahl, Aluminium, Titan aber auch Kunststoff. Bei der Auswahl der Werkstoffe achten wir stets auf hochwertige Qualität. Unsere Kunden kommen aus den Bereichen Medizintechnik, Maschinenbau, Mess- und Regeltechnik, Laborgerätetechnik sowie Schienenfahrzeug- und Elektrotechnik. Mit unserem Ansatz „Smarte Fertigung“ sind wir aktuell in der Lage, Aufträge aus dem gesamten Bundesgebiet zu bearbeiten, gern auch aus dem Ausland.

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

Anfang 1994 nahm mein Vater, Manfred Jakusch, seine letzten 3.000 DM in die Hand und gründete die Firma. Im ersten Jahr arbeitete er allein, seine erste Maschine stellte er noch von Hand auf. Schon fünf Jahre später erhielt der Familienbetrieb die Zertifizierung nach DIN ISO 9001. In der ersten Wachstumsphase bis 2001 wurde vor allem in die Produktionsinfrastruktur investiert, z.B. entstand der Neubau auf dem heutigen Firmengelände in Saalfeld. 2007 erfolgte der organisatorische Wandel von einer GbR in eine GmbH (2007), verbunden war dies mit dem Generationswechsel in der Geschäftsführung. Mit dem Invest-Programm I (2008-2016) erfolgte Kompletterneuerung des Maschinenparks und die signifikante Erweiterung der Betriebsfläche. Das Invest-Programm II (2016-2025) fokussiert auf die Umstellung hin zu einer smarten Produktion. Heute arbeiten am Standort Saalfeld insgesamt 44 Mitarbeiter auf ca. 2 000 m2 Produktionsfläche mit modernsten Bearbeitungszentren und digitaler Technik.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Wir haben von Anfang an konsequent „Qualität Made in Saalfeld“ gesetzt. Gleichzeitig war und ist es mir wichtig, mit allen Mitarbeitern eine optimale Arbeitsumgebung zu gestalten. So ist es uns gut gelungen Familie und Arbeit gut miteinander zu vernetzen. Im Jahr 2016 haben wir die wichtige strategische Entscheidung getroffen „Wir produzieren smart und digital“. Alle Unternehmensbereiche – egal ob Produktion oder Verwaltung, speisen Daten in unsere digitale Arbeitsplattform „NOAH“ ein. Das Softwaresystem sorgt für einen reibungslosen Datentransfer und größtmögliche Produktionstransparenz. Heute ist die „digitale Transformation“ unser gelebter Unternehmensalltag. Das war ein Innovationsschub und gut für das Betriebsklima. Meine Mitarbeiter sind engagiert, motiviert für Neues und werden mit Blick auf die neuen Technologien gut weitergebildet. Wir alle tragen die Zukunftsvision des Unternehmens gleichermaßen mit. Es freut uns sehr, dass dies auch honoriert wird. So sind wir 2019 als „Digitales Zukunftsunternehmen“ (BVMW) und mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ (Oskar-Patzelt-Stiftung) ausgezeichnet worden.

 


Die digitale Arbeitsplattform "Noah" unterstützt Enrico Jakusch dabei, die Produktion effizient zu gestalten und die Maschinenauslastung smart zu steuern. Foto: Tilman Vogler / VDI TZ GmbH

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Wachstum lässt natürlich aktuelle Herausforderungen nicht kleiner werden, sie werden aber für uns sichtbarer und damit kalkulierbarer.  2016 haben wir gemerkt, dass die Qualität der internen Prozesse den vermehrten Kundenanfragen und der Auftragsstruktur nicht mehr gerecht wird. Die Prozesse waren zu kompliziert, nicht transparent und damit schlicht ineffizient.  Außerdem sorgten Informationsbrüche für schlechte Stimmung. Wir hatten vor allem aber keinen Echtzeitblick auf die Produktion. Die seit 2018 erfolgreich arbeitende Plattform „Noah“ änderte dies grundlegend positiv. Zwar gibt es jetzt neue Herausforderungen, die aber haben wir im Blick und können uns besser darauf einstellen. Wir sind insgesamt flexibler und erfolgreicher.

 

Enrico Jakusch, Geschäftsführer der Drehtechnik Jakusch GmbH. Foto: Tilman Vogler / VDI TZ GmbH

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Digitalisierung im Alleingang ist zum Scheitern verurteilt. Gemeinsam mit unserem Saalfelder Technologiepartner der Batix Software GmbH haben wir es geschafft, unseren Unternehmensalltag positiv umzugestalten. Wir arbeiten heute definitiv anders als vor zwei Jahren – und das ist gut so. Sehr früh haben wir uns dem lokalen Innovationsnetzwerk Saale.Digital angeschlossen. Hier arbeiten Maschinenbauer, Softwareentwickler und Bildungsträger an Ideen, um die vielfältigen Herausforderungen der Digitalisierung gemeinsam zu meistern. Das baut vor allem Ängste ab und stärkt gleichzeitig unsere Region als attraktiven Arbeits- und Lebensort.

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