Potenziale der Digitalisierung für strategisches Wachstum nutzen

Interview mit Sabine Ritter, Head of Research, ifesca GmbH (Ilmenau, Thüringen)

Von Tim Gabel am 11.11.2019

Die ifesca GmbH ist ein mittelständisches Unternehmen aus Ilmenau. Aus sieben Mitarbeitern sind in wenigen Jahren 40 Teammitglieder geworden. Warum und wie ein solches Wachstum für die Erstellung von Prognosen und Optimierungspotenzialen für den Energiemarkt von vornherein so geplant war, erklärt Forschungsleiterin Sabine Ritter im Interview.

Das ifesca-Team besteht aus Mitarbeitern aus den Bereichen Softwareentwicklung, Projektabwicklung, Support und Forschung. Die Firma achtet bei Einstellungen nicht nur auf fachliche Qualitäten, sondern auf die Persönlichkeiten. (Quelle: ifesca GmbH)

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Unsere Plattform ifesca.AIVA® ist ein digitaler Service, den unsere Kunden zur Prognose und Optimierung von Energiedaten nutzen können. Wir richten uns damit an alle Teilnehmer des Energiemarktes, z.B. an Versorger oder auch das produzierende Gewerbe. Das Ganze läuft vollautomatisch und in Echtzeit. Die KI-Algorithmen der Plattform sorgen außerdem selbständig für eine ständige Adaption an veränderte Bedingungen, etwa durch das Wetter.

Die Digitalisierung erfordert schnelle datenbasierte Entscheidungen, denn die Anforderungen an den Prozess der Vorhersage für Einspeisung und Ausspeisung von Energie haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Zeitfenster, in denen die Prognoseerstellung erfolgen muss, werden immer enger und die Häufigkeit ist stark angestiegen. Daher müssen die Softwaresysteme in der Lage sein, die berechneten Ergebnisse zeitnah und unkompliziert zur Verfügung zu stellen. Denn die digitale Vernetzung von Hard- und Softwaresystemen untereinander spielt erst dann Vorteile aus, wenn kein Glied in dieser „digitalen Kette“ einen Engpass darstellt.

 

Ein Screenshot vom Frontend der Plattform ifesca.AIVA® mit der Prognosen und Optimierungspotenziale erstellt werden können. (Quelle: ifesca GmbH)

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

Die ifesca GmbH wurde im Dezember 2016 gegründet. Zu diesem Zeitpunkt haben wir wortwörtlich bei null angefangen. Wir starteten mit sieben Mitarbeitern und der Idee, die Potenziale der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz für Prognosen und Optimierungen auf dem Energiemarkt zu nutzen. Das war und ist ja immer noch eines der politischen Themen der Stunde. Inzwischen haben wir fast 40 Mitarbeiter und sind zu einem Ausbildungsbetrieb für Fachinformatiker geworden.

 

Welche Strategie steckt hinter dem Wachstum?

Unser Wachstum war von vornherein so geplant. Wenn man ein so mächtiges Tool bauen will wie ifesca.AIVA®, braucht man nach und nach mehr Mitarbeiter vor allem im Bereich der Softwareentwicklung. Angefangen haben wir mit einem Konzept und der Erarbeitung von User Stories, um die Idee einem Realitätscheck zu unterziehen. Als wir uns sicher waren, dass sie marktreif ist, haben wir unser Team organisch erweitert. Dazu kamen dann im Laufe der Zeit bspw. eine Abteilung für Consulting, ein Vertriebsteam und eine Forschungsabteilung für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Plattform.

Bei diesem Wachstumsprozess haben wir uns ganz bewusst von einem Dienstleister unterstützen lassen. Das Unternehmen masterhouse GmbH begleitet Gründer mit ihrem Framework „scale up“ auf einem transparenten Wachstumsweg. Dazu gehören unter anderem Workshops mit Trainern und die Entwicklung eines ambitionierten Strategieprozesses. Herzstück unserer Strategie sind die sogenannten „Core Values“, zentrale Unternehmenswerte. Es geht um eine Orientierung in allen wichtigen Fragen und darum, wie wir ticken. Es sind Eigenschaften, die alle Mitarbeiter in unterschiedlicher Ausprägung mitbringen müssen. Bei uns sind das genau fünf: „Be a passionate musketeer“, „Be a Sherlock“, „Think quickly“, „Earn the trust“ und „Discover bravely“.

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Im Prinzip setzt die größte Herausforderung genau bei diesen fünf Werten an. Es ist grundsätzlich nicht einfach in unserer Region Mitarbeiter zu finden. Vor allem dann, wenn man wie wir, nicht nur auf die fachlichen Qualitäten achtet, sondern auch noch bestimmte Werte einfordert. Aber es hat sich gelohnt, wählerisch zu sein.

Eine andere Herausforderung ist die Organisation des Unternehmens mit dem Wachstum anzupassen. Mit sieben Leuten funktioniert das meiste noch auf Zuruf. Man braucht nicht für alle Aufgaben definierte Prozesse. Genau das wird aber notwendig, wenn mehr Mitarbeiter dazu kommen und man in verschiedenen Räumen und Einheiten arbeitet. Hier ist von der Geschäftsführung Transparenz und gute Kommunikation gefordert. Wenn man das verpasst, kann es zu einem Stolperstein in der Entwicklung werden. Man muss immer wieder reflektieren und darauf achten, dass festgelegte Prozesse wirklich gelebt werden.

 

Sabine Ritter, Head of Research bei der ifesca GmbH

Sabine Ritter, Head of Research
bei der ifesca GmbH.
(Quelle: ifesca GmbH)

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze?

Das ist für uns relativ eindeutig: Kenne dich selbst und bleibe authentisch! Es ist äußerst hilfreich, wenn man einmal klar definiert hat, wofür das Unternehmen steht und was das gemeinsame Ziel ist, dann muss man das nur noch leben und hin und wieder nachjustieren.

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