Kundenwünsche für bedarfsorientiertes Wachstum nutzen

Interview mit Dr. Carsten Mahrenholz, Geschäftsführer der coldplasmatech GmbH (Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern)

Von Jan Kürvers am 03.11.2020

 Die Wundauflagen der coldplasmatech GmbH produzieren kaltes Plasma direkt aus der Umgebungsluft. (Foto: Nadine Bauerfeind)

Die Wundauflagen der coldplasmatech GmbH produzieren kaltes Plasma direkt aus der Umgebungsluft. (Foto: Nadine Bauerfeind)

 

Die coldplasmatech GmbH wurde 2015 aus einer Forschungsgruppe ausgegründet. Ziel war es, die dort erforschte Technologie des „kalten Plasmas“ in ein marktreifes Medizinprodukt zu übersetzen. Für ihre innovativen Wundauflagen wurde das Greifswalder Unternehmen unter anderem mit dem Deutschen Innovationspreis und dem EY Public Value Award belohnt.

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Wir sind Hersteller eines Klasse IIb Medizinproduktes und was wir machen erinnert ein bisschen an Science-Fiction. Hinter unseren zugelassenen Wundauflagen steckt die Technologie des kalten Plasmas, ein ionisiertes Gas, welches bioaktiv ist. Dieses Plasma wird direkt auf der Wunde aus der Außenluft erzeugt. Während durch die Verwendung der aktiven Wundauflage Bakterien absterben, werden die Zellen in chronischen Wunden angeregt, Botenstoffe zur Wundheilungsförderung auszuschütten. Chronische Wunden sind nicht nur für betroffene Patient*innen ein Problem, sondern stellen auch eine große Belastung für das Gesundheitssystem dar.

 

Dr. Carsten Mahrenholz, Geschäftsführer der coldplasmatech GmbH (Foto: Nadine Bauerfeind)

Dr. Carsten Mahrenholz, Geschäftsführer der coldplasmatech GmbH (Foto: Nadine Bauerfeind)

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen? 

Zunächst waren wir eine vierköpfige Arbeitsgruppe in einer Forschungseinrichtung und haben dort die Grundlagen für einen Prototypen der neuen Wundauflage entwickelt. Achtzehn Monate später haben wir unsere Forschungsgruppe ausgegründet und sind mittlerweile auf siebeneinhalb Leute angewachsen. Wir bewerten unseren Wachstumserfolg allerdings eher über die Produktreife: Unser Medizinprodukt ist in einem hochregulierten Markt europaweit zugelassen und wird jeden Tag in der Patient*innenbehandlung verwendet.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Für uns steht der klassische Wachstumsmarker Personalstärke im Hintergrund. Personelles Wachstum ist bei uns erst dann sinnvoll, wenn es einen entsprechenden Aufgabenbereich gibt, der besetzt werden muss. Allerdings betreiben wir in vielen Bereichen Outsourcing, unter anderem bei der gesamten Produktion der Wundauflagen. Da vertrauen wir auf die professionellen Hersteller aus Süddeutschland und haben aktuell keinen unternehmerischen Mehrwert, dieses Know-How selbst aufzubauen. Wir sind in unserem Unternehmen ein sehr interdisziplinärer und gut vernetzter Kern aus Expert*innen. Das gibt uns die Möglichkeit, schnell auf Veränderungen zu reagieren und uns entsprechend anzupassen. Durch unsere schlanke Struktur sind wir agil und resilient.

Eine weitere Strategie in unserer Unternehmensphilosophie kommt aus dem Marketingbereich, die Bedürfnisorientierung: Wir untersuchen die Bedürfnisse unserer Kunden und bieten Ihnen passende Lösungen an. Das klingt einfach und ist es im Prinzip auch. Wenn wir z.B. mit Krankenkassen in Verhandlungen treten, fragen wir zuallererst: „Was braucht ihr?“ Danach versuchen wir, diese Probleme zu lösen.

 

Dr. Mahrenholz bei einem Pitch auf dem sTARTUp Day in Tartu, Estland (Foto: Kim Pottkämper)

Dr. Mahrenholz bei einem Pitch auf dem sTARTUp Day in Tartu, Estland (Foto: Kim Pottkämper)

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Durch das aktive Zugehen auf Kundengruppen bekommen wir ein sehr direktes Feedback auf unsere Produkte. Eine Herausforderung dabei ist, auch mit Kritik umzugehen und den unangenehmen Folgeprozess der Weiterentwicklung zu meistern. Niemand hört gerne, dass die eigene Idee nicht gut ist. Aber nur so kann man sich weiterentwickeln. Unseren Ansatz der Wiederverwendbarkeit mussten wir beispielsweise aufgeben, da wir bei mehrfacher Verwendung kein steriles Produkt garantieren konnten.

Wir haben gelernt, durch Kritik besser zu werden und uns anzupassen, jedoch gleichzeitig unsere eigenen Ideen und Innovationen voranzutreiben. In manchen Fällen lässt sich ein Feedback allein auf die Präferenz für das Bekannte zurückführen. Diese Fälle müssen wir mit unseren Innovationen disruptiv durchbrechen. Den Unterschied zu erkennen macht den Erfolg unseres Unternehmens aus.

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Mutig und unkonventionell sein, risikobasiert Wachstumsentscheidungen treffen und kein Wachstum für andere betreiben.

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