Generationswechsel als Wachstumschance nutzen

Interview mit Antje und André Petrick, Geschäftsführer der Petrick GmbH (Bad Blankenburg, Thüringen)

Von Jan Kürvers am 10.11.2020

 Antje und André Petrick vor der Petrick GmbH in Bad Blankenburg, Thüringen. (Foto: Petrick GmbH)

 Antje und André Petrick vor der Petrick GmbH in Bad Blankenburg, Thüringen. (Foto: Petrick GmbH)

 

Die 1991 gegründete Petrick GmbH wird in der zweiten Generation geführt. Das Unternehmen produziert Röntgenröhren, die unter anderem auch in der Zahnmedizin verwendet werden. Antje und André Petrick führen seit 2015 gemeinsam das Unternehmen. 2018 übergab Horst Petrick alle Anteile an seine Tochter Antje und verließ das Führungsteam.

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

André und Antje Petrick: Ein wichtiger Teil unserer Produktion sind Röntgenröhren für Dentalanwendungen, also für die Untersuchung beim Zahnarzt. Die andere Produktgruppe sind technische Röntgenröhren für Analyse- und Kontrollzwecke. Hier sind die Anwendungsbereiche besonders vielfältig, z.B. werden Flaschen in der Getränkeindustrie, Lebensmittel oder Konserven mit unseren Röhren geröntgt. Unsere Kunden können entscheiden, ob sie zusätzlich zur Röntgenquelle einen Strahlenschutz, eine Hochspannungsquelle oder entsprechende Kabel benötigen und können somit von uns auch eine Komplettlösung erhalten, bei der alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind.

 

Die Petrick GmbH produziert Röntgenröhren, die unter anderem im Dentalbereich eingesetzt werden. (Foto: Petrick GmbH)

Die Petrick GmbH produziert Röntgenröhren, die unter anderem im Dentalbereich eingesetzt werden. (Foto: Petrick GmbH)

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen? 

Antje Petrick: Mein Vater Horst Petrick war ursprünglich Arbeitnehmer in der Qualitätskontrolle bei Siemens. 1991 machte er sich als Zulieferer selbstständig – zunächst noch aus der heimischen Garage heraus. Schnell musste er sich Mitarbeiter suchen, um die Nachfrage zu bedienen. 1996 begann er mit der Produktion von Röntgenröhren und 3 Jahre später begann er mit dem Ausbau eines alten Produktionsgebäudes, welches zu unserer heutigen Firma geworden ist. Heute sind wir an einem Punkt, dass diese Räumlichkeiten nicht mehr ausreichen und sind derzeit mit der Umsetzung eines Neubaus beschäftigt.

André Petrick: Wir haben aktuell etwa 40 Mitarbeiter und konnten 2019 einen Umsatz von circa 4,8 Mio. Euro generieren. Wir können stolz sagen, dass wir in den letzten fünf Jahren unseren Umsatz verdoppelt haben. Das liegt an Neukunden aber auch an neuen Produkten. Etwa die Hälfte unserer neuen Kunden haben den Lieferanten gewechselt und sind auf unsere Produkte umgestiegen.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

André Petrick: Vor ein paar Jahren lag unser Geschäft sehr Umsatz-lastig auf den Röntgenröhren im Dentalbereich. Über die Hälfte unseres Umsatzes wurde durch einen einzigen Kunden generiert. Wir haben in den letzten Jahren viel Energie in unsere technischen Röhren gesteckt, um unser Produktportfolio zu diversifizieren und damit unser geschäftliches Risiko zu verringern. Dadurch haben wir es geschafft, bei weiterem Wachstum den Umsatzanteil der Dentalröhren erheblich zu senken.

 

Um die beste Qualität gewährleisten zu können, findet die Produktion der Röntgenröhren in Reinräumen statt. (Foto: Petrick GmbH)

Um die beste Qualität gewährleisten zu können, findet die Produktion der Röntgenröhren in Reinräumen statt. (Foto: Petrick GmbH)

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

André Petrick: Wir legen viel Wert auf strukturiertes Arbeiten, gerade auch auf Gruppenleiterebene. Jeder hat seine Verantwortung und muss diese auch wahrnehmen.

Antje Petrick: Beim Generationswechsel mussten sich einige Mitarbeiter erst an unseren Führungsstil gewöhnen und auf uns einstellen. Früher lag die Verantwortung nur bei meinem Vater. Er hatte alles im Kopf und musste keine Verantwortung abgeben. Mit dem Wachstum war das aber nicht mehr möglich.

André Petrick: Die Generation von Antjes Vater hat die Wende im mittleren Alter erlebt, hat einen Ein-Personen-Betrieb gegründet und auf einmal wächst das Unternehmen von fünf Kollegen auf zwanzig Mitarbeiter. Dieser Generation der Macher und Anpacker fällt es schwer, Verantwortung abzugeben.

André und Antje Petrick: Eine weitere Herausforderung ist ein gesundes Wachstum bei Erhalt des guten Betriebsklimas. Die Mitarbeiter müssen bei Veränderungen mitgenommen werden und müssen sich bei uns wohl fühlen. Eine unserer Maßnahmen ist der regelmäßige Besuch einer Physiotherapeutin, die unsere Mitarbeiter behandelt.  

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

André und Antje Petrick: Vorausschauend denken, Mitarbeiter nicht überlasten und gesundes Wachstum anstreben.

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