Mikroalgen – Neue Trends etablieren, um nachhaltig zu wachsen

Interview mit Jörg Ullmann, Geschäftsführer der Roquette Klötze GmbH (Klötze, Sachsen-Anhalt)

Von Jan Kürvers am 25.11.2020

 Auf der Algenfarm wird ein Glasröhrensystem eingesetzt, in dem die Algen unter Sonnenlicht wachsen können. (Foto: Roquette Klötze GmbH)

Auf der Algenfarm wird ein Glasröhrensystem eingesetzt, in dem die Algen unter Sonnenlicht wachsen können. (Foto: Roquette Klötze GmbH)

 

Die Algenfarm der Roquette Klötze GmbH & Co. KG ist eine der größten in Europa. Hier werden etwa ein Dutzend verschiedene Mikroalgen angebaut, die in unterschiedlichsten Industrien Verwendung finden. Mit dem Unternehmen wurde Jörg Ullmann unter anderem Gewinner des „Biotechnology Awards“ und des „Europe – Gamechanger – Niche Biotechnology Company Of The Year“-Awards.

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Mit der Roquette Klötze GmbH & Co. KG betreiben wir eine Algenfarm und stellen Mikroalgen, wie die Chlorella- oder Spirulina-Alge, her. Diese werden weltweit unter der Marke Algomed als Nahrungsergänzungsmittel, Futtermittel, Kosmetika sowie auch als Lebensmittel vertrieben.

Für die Industrie werden unsere Produkte immer interessanter, da ihre Kunden zunehmend auf eine bewusstere Ernährung und nachhaltig hergestellte Rohstoffe setzen. So färben zum Beispiel Süßwarenhersteller seit einiger Zeit ihre blauen oder grünen Produkte mit dem natürlichen Farbstoff der Spirulina-Alge, statt auf einen künstlichen Farbstoff zu setzen.

 

Jörg Ullmann, Geschäftsführer der Roquette Klötze GmbH. (Foto: Roquette Klötze GmbH)

Jörg Ullmann, Geschäftsführer der Roquette Klötze GmbH. (Foto: Roquette Klötze GmbH)

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen? 

Wir sind Pioniere auf dem Gebiet der Mikroalgenkultivierung. Seit dem Jahr 2000 bauen wir hier in Klötze Algen an. In einem Glasröhrensystem wachsen unterschiedliche Algensorten, die vielseitig eingesetzt werden können. Durch das abgeschlossene System wird sichergestellt, dass keine Verschmutzungen von außen das Algenwachstum stören. Die Glasfabrik und das gläserne Röhrensystem lassen Sonnenlicht an die Algen, die dieses zur Photosynthese und damit zu ihrer Vermehrung brauchen. Dabei wachsen diese Algen sehr viel schneller als Landpflanzen, haben einen Proteingehalt von bis zu 60% und benötigen weder Pestizide noch Antibiotika während des Anbaus.

Im Rahmen unseres Unternehmenswachstum haben wir unseren Standort und die Angebotspalette stetig ausgebaut. Zusätzlich zum Glasröhrensystem sind nun auch Anlagen für die Fermentation  von Mikroalgen im Einsatz. Aber auch der Aufbau weiterer Standorte und Partnerschaften ist mir wichtig. Wir haben bereits gemeinsam mit Partnern eine Anlage in Mecklenburg-Vorpommern realisiert, mit der auch neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Wachstum ist eng mit Innovation verbunden. Wenn ich Innovationen ausprobiere, bin ich ein Freund von einem möglichst minimierten wirtschaftlichen Risiko. Die Investition muss groß genug sein, dass man aus der Pilotphase belastbare Erkenntnisse über die Möglichkeit zur Skalierung seiner Idee bekommt und dieses dann auch umsetzen kann. Gleichzeitig sollte man als Unternehmen schon die potenziellen Kunden, das Produktsortiment und auch die Marketing- und Kommunikationsstrategie mitdenken. Im besten Fall hat man, wie bei unseren neuen Projekten, zumindest einen Teil des Absatzes schon gesichert.

 

Durch das abgeschlossene System wird sichergestellt, dass keine Verschmutzungen von außen das Algenwachstum stören. (Foto: Roquette Klötze GmbH)

Durch das abgeschlossene System wird sichergestellt, dass keine Verschmutzungen von außen das Algenwachstum stören. (Foto: Roquette Klötze GmbH)

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Algen sind für viele potenzielle Kunden erstmal ein recht neues und ungewöhnliches Produkt, mit dem sie wenig vertraut sind. Eine Herausforderung besteht darin, Aufklärungsarbeit an den richtigen Stellen zu betreiben. Dafür eignen sich besonders Messen, bei denen die Menschen offener gegenüber Neuem sind. Ich habe zudem den World Algae Day am 12. Oktober ins Leben gerufen, damit die Alge einen Jahrestag bekommt, den man zum Austausch und zu Marketingzwecken nutzen kann. Darauf bekomme ich inzwischen weltweite Resonanz. Viele Forscher und Unternehmer beteiligen sich.

Zusätzlich bin ich mittlerweile Algen-Buchautor, betreue ein Projekt zur Bekämpfung von Mangelernährung bei Kindern mit Hilfe von Algen in Kolumbien und werde in Kürze die erste „Erlebniswelt Algen“ hier in Klötze eröffnen. Mir geht es um viel mehr als „nur“ Algen zu produzieren und zu verkaufen. Auf vielen Gebieten sind wir dadurch sicher auch Vordenker für Neues.

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Für mich war und ist es wichtig neben dem Abarbeiten der Aufgaben des Tagesgeschäft auch eine Vorstellung davon zu haben, wo das Unternehmen mittel- und langfristig stehen soll und welche Produkte, Forschungsprojekte und strategische Partnerschaften die Entwicklung dahin unterstützen können. Da wir mit vielen unserer Projekte Neuland betreten ist es mir außerdem wichtig, dass wir uns in der Ideenphase keine Grenzen im Denken setzen. Das heißt, jede Idee, klingt sie am Anfang auch noch so verrückt, darf und soll auf den Tisch. Und dabei darf auch gerne groß gedacht werden. Später selektieren wir dann sowieso das Machbare. Wenn wir dann von etwas überzeugt sind, ziehen wir das auch durch!

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