Mit Risikokapital Wachstum beschleunigen

Interview mit Marcus Stein, Geschäftsführer der watttron GmbH (Freital, Sachsen)

Von Jan Kürvers am 07.12.2020

 Kollegen der watttron GmbH am Teststand. (Foto: watttron GmbH)

Kollegen der watttron GmbH am Teststand. (Foto: watttron GmbH)

 

Die watttron GmbH produziert unter dem Motto „Effizienz als Maßstab“ innovative Technologien in Sachsen. Das Unternehmen ist eine Ausgründung des Instituts für Naturstofftechnik der Technischen Universität Dresden und des Fraunhofer Instituts aus dem Jahre 2016. Für ihre Technologie wurde die wattron GmbH unter anderem mit dem Deutschen Rohstoff Effizienzpreis und dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet.

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Die watttron GmbH entwickelt und produziert digitale Heizsysteme, die in Industrieprozessen zum punktgenauen Temperieren eingesetzt werden. Unsere patentierte Heiztechnologie ermöglicht in der Verpackungstechnik die Optimierung von z.B. Joghurtbechern oder Beuteln im Hinblick auf den Material- und Energieeinsatz. Die Technologie gestattet auch bei großen Flächen eine präzise Temperatursteuerung und erleichtert damit die Verarbeitung von biobasierten und recycelbaren Materialien. Ein weiterer Vorteil unserer Heizsysteme gegenüber dem Stand der Technik ist unsere Inline-Prozessüberwachung und Qualitätskontrolle. So erlaubt beispielsweise das Heizsystem die Messung des lokalen Energieverbrauchs, durch dessen Auswertung u.a. die Kontamination des Nahtbereiches von Beuteln mit Produktresten ermittelt werden, die unerkannt zu einer Undichtigkeit und damit frühzeitigem Verderben des Produktes führen kann.

 

Gründerteam der watttron GmbH v.l.n.r. Ronald Claus von Nordheim, Dr. Sascha Bach, Michaela Wachtel, Marcus Stein. (Foto: watttron GmbH)

Gründerteam der watttron GmbH v.l.n.r. Ronald Claus von Nordheim, Dr. Sascha Bach, Michaela Wachtel, Marcus Stein. (Foto: watttron GmbH)

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen? 

Wir haben die Firma im Februar 2016 aus der TU Dresden und Fraunhofer IVV Dresden heraus gegründet und haben uns am Technologie- und Gründerzentrum Freital angesiedelt. Anfangs sind wir den Weg des Bootstrapping gegangen. Das bedeutet, wir haben auf VC (Wagniskapital) verzichtet und sind so aus Kundenumsätzen bis Anfang 2020 auf rund 25 Angestellte gewachsen. Seit April diesen Jahres haben wir mit namenhaften Investoren – unter anderem mit der SKion GmbH und der Constantia New Business GmbH – erfahrene Investoren an Bord, um den Wachstumskurs mit der Expansion in die USA noch intensiver als zuvor vorantreiben zu können.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Wir haben uns Ende 2019 dazu entschlossen unser Wachstum mit VC-Gebern schneller vorantreiben zu wollen, im Frühjahr 2020 haben wir schließlich eine Finanzierungsrunde in Höhe von 3,4 Millionen Euro abgeschlossen. Durch diese aktuelle Wachstumsfinanzierung wollen wir unsere Entwicklung beschleunigen und können somit auch gezielter Global Player beliefern.

Bis dato sind von unseren Produkten mehrere Prototypen auf dem Markt, mit dem neuen Kapital soll nun der Aufbau einer Serienproduktion vorangetrieben werden. Zu unseren Kunden gehören bereits Unternehmen wie Procter & Gamble sowie Reckitt Benckiser.

Ein weiterer Vorteil durch das neu eingeworbene Kapital ist, dass wir Partner aus neuen Industriezweigen – wie z.B. Biotechnologie, Chemie oder 3D-Elektronik – gewinnen können und darüber hinaus unsere Geschäftsbeziehungen im amerikanischen Markt festigen. Diese kostenintensiven Wachstumsstrategien sind nur mit genügend Kapital in der Rückhand möglich. Wir sind davon überzeugt, dass das Investment in Zeiten der Corona-Krise und der damit verbundenen schwierigen Ausgangslage für Investmentzusagen das hohe Potential unserer Produkte zeigt.

 

Das Team der watttron GmbH. (Foto: watttron GmbH)

Das Team der watttron GmbH. (Foto: watttron GmbH)

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Wir haben bei der watttron GmbH keinen hierarchischen Führungsstil, sondern leben die agile Organisationsstruktur. Je größer die Firma wird, desto wichtiger werden Kommunikation und ein respektvolles Miteinander. Ein gutes Betriebsklima ist für uns sehr wichtig. Alle Mitarbeiter müssen frühzeitig in Veränderungsprozesse eingebunden werden und haben auch ein aktives Mitspracherecht. Unsere tägliche Herausforderung besteht darin, die Effizienz und den Output auch bei steigender Organisationsgröße und -struktur aufrecht zu erhalten und dabei nicht den Spaß und die Vision aus den Augen zu verlieren. So arbeiten wir nicht nur zusammen, sondern verbringen auch gemeinsam unsere Freizeit – sei es beim Sommergrillen, Firmenläufen oder Lan-Partys.

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Ehrlich analysieren und vorausschauend denken; ein gutes Betriebsklima durch wertschätzende Kommunikation mit den Mitarbeitern schaffen.

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