Wachstumschancen eines virtuellen Weihnachtsmarkts

Interview mit Juliane Kröner, Geschäftsführerin der Dregeno Seiffen eG (Kurort Seiffen/ Erzgebirge, Sachsen)

Von Jan Kürvers am 15.12.2020

 Juliane Kröner und die Dregeno Seiffen eG sorgen mit "Die Weihnachtsmacher", einem virtuellen Weihnachtsmarkt, dieses Jahr für jede Menge mediale Aufmerksamkeit. (Foto: Nico Schimmelpfennig)

Juliane Kröner und die Dregeno Seiffen eG sorgen mit "Die Weihnachtsmacher", einem virtuellen Weihnachtsmarkt, dieses Jahr für jede Menge mediale Aufmerksamkeit. (Foto: Nico Schimmelpfennig) 

 

Die Dregeno Seiffen eG ist eine Genossenschaft für Hersteller erzgebirgischer Holzkunst. Sie wirbt und verkauft die Produkte von 120 Mitgliedsfirmen sowohl im Inland als auch auf der ganzen Welt. Dieses Jahr hat die Genossenschaft für einige mediale Aufmerksamkeit gesorgt, weil sie in der Pandemie einen virtuellen Weihnachtsmarkt gebaut hat, der bis dato ca. 200.000 Menschen angelockt hat.

 

Vor der eigentlichen Wachstumsgeschichte hier eine kleine Zusammenfassung aus Sicht von Juliane Kröner:

Können Sie uns eine Zusammenfassung über den virtuellen Weihnachtsmarkt geben? Wie kam es zur Idee und welchen Erfolg haben Sie mit „Die Weihnachtsmacher“?

Die Idee für den virtuellen Weihnachtsmarkt kam uns während des ersten Lockdowns im Frühjahr. Im März und April brach uns das gesamte Ostergeschäft weg, da durch die Corona-Regelungen unsere Vertriebswege wegfielen. Wir machen in den letzten beiden Monaten des Jahres durch die saisonale Nachfrage etwa die Hälfte unseres Umsatzes, für Weihnachten durfte also unter keinen Umständen derselbe Fall eintreten. Als im Sommer die Gespräche über Weihnachtsmärkte stattfanden, mussten wir handeln.

Beim virtuellen Rundgang über den Markt können die Besucherinnen und Besucher auf den Onlineshops der Manufakturen Weihnachtsdekoration, Glühwein in Flaschen und sogar Bratwürste kaufen. (Foto: Dregeno Seiffen eG)

Beim virtuellen Rundgang über den Markt können die Besucherinnen und Besucher auf den Onlineshops der Manufakturen Weihnachtsdekoration, Glühwein in Flaschen und sogar Bratwürste kaufen. (Foto: Dregeno Seiffen eG) 

 

Seiffen ist bei vielen als Weihnachtsdorf bekannt, in den Wintermonaten kommen Tausende Menschen für unsere ganz besonders weihnachtliche Stimmung. Also haben wir versucht, möglichst viele Elemente digital umzusetzen und einen virtuellen Weihnachtsmarkt mit Lichtern, Musik und Schneefall zu schaffen. Unser Weihnachtsmarkt ist den ganzen Tag erreichbar, man kann Rundgänge über den Marktplatz machen und kann in virtuellen Hütten zu den sächsischen Manufakturen gelangen.

Das Feedback ist unglaublich. Uns erreichen jeden Tag teils sehr emotionale Nachrichten in unserem Gästebuch und auch die Besucherzahlen sprechen für sich: Seit dem Start am 1. November können wir insgesamt etwa 300.000 Aufrufe (und 200.000 Nutzer) verzeichnen. Der Weihnachtsmarkt ist in den letzten Wochen tatsächlich noch gewachsen. Wir haben zwar als Dregeno das Projekt gestartet, es ist aber immer mehr Seiffen dazugekommen. Jetzt gibt es die Möglichkeit, in unserer 3D-Welt für die Adventspredigt zur Kirche zu gehen und mit guten Augen findet man die versteckte Seiffener Zinnmünze. Zusammengefasst kann man sagen, dass „Die Weihnachtsmacher“ ein voller Erfolg ist!

Der virtuelle Weihnachtsmarkt ist vereinfacht gesagt eine Bilderkugel mit entsprechenden Verlinkungen. (Foto: Dregeno Seiffen eG)

Der virtuelle Weihnachtsmarkt ist vereinfacht gesagt eine Bilderkugel mit entsprechenden Verlinkungen. (Foto: Dregeno Seiffen eG)

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Unser Name Dregeno leitet sich von Drechsler-Genossenschaft ab. Für unsere 120 Mitgliedsfirmen sind wir eine Art Dachverband und Großhändler. Wir kaufen die erzgebirgische Holzkunst unserer Produzenten und verkaufen diese auf unterschiedlichen Verkaufswegen. Dazu gehören der B2B-Verkauf, Export in die ganze Welt und auch das Endkundengeschäft mit mehreren Einzelhandelsgeschäften in Sachsen, Berlin und Potsdam. Unser Motto ist „Aus dem Wald in die Welt“ und genau das tun wir!

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

2019 ist unsere Genossenschaft einhundert Jahre alt geworden. Damit hat die Firma mehrere Regime erlebt und hat sich bis heute stark gewandelt. In der DDR war Seiffen als der Standort auserkoren, um Erzgebirgskunst alleinig für den Export zu produzieren. Nach der Wende kam es zu einem Boom, da die Produkte nun auch auf dem ostdeutschen Markt zugänglich waren. Dieser Trend hielt bis Anfang der 2000er an. In den besten Jahren erreichten wir einen Umsatz von 15 Millionen D-Mark, zur Euro-Einführung war allerdings eine Marktsättigung erreicht und der Umsatz ließ deutlich nach.

In den letzten sieben Jahren sind wir ins Onlinegeschäft eingestiegen, haben zwei neue Einzelhandelsgeschäfte eröffnet und haben unseren Umsatz wieder auf etwa sechs Millionen Euro jährlich steigern können.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Vorab ist wichtig zu sagen, dass eine Genossenschaft kein normales Unternehmen ist. Wir haben eine Satzung mit eindeutigen Geschäftszweck und einen Aufsichtsrat, der unter anderem für die Genehmigung von neuen Geschäftsfeldern zuständig ist.

Laut Geschäftszweck bin ich für den Vertrieb der Waren unserer Mitglieder verantwortlich. D.h. ich muss konkrete Sortimente bei den Handwerksbetrieben ordern, sodass ich genug Waren zum Verkauf habe. In vielen Betrieben ist das kein einfaches Thema, da der innerfamiliäre Generationenwechsel nur selten gewährleistet ist.

Der Fokus unserer Wachstumsstrategie zielte in den letzten Jahren darauf ab, die notwendige Digitalisierung nachzuholen und ins Onlinegeschäft einzusteigen. Dazu gehört digitales Werben, digitale Warenwirtschaft und Onlineverkauf. Als nächstes steht bei uns die Einführung eines neuen ERP-Systems (Geschäftsressourcenplanung) an. Damit kommen wir auf einen aktuellen Stand, optimieren Prozesse direkt digital und ziehen gleichzeitig unsere Handwerker und Händler mit auf das nächste (digitale) Level.

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Unser Alltagsgeschäft ist das Einkaufen, Lagern und Verkaufen. Eine Holzpyramide besteht aus zu vielen Einzelteilen, als dass man diese Just-in-time produzieren könnte. Nur mit einer ganzjährigen Vorproduktion können unsere Mitglieder wirtschaftlich arbeiten. Wir finanzieren diese Produktion durch unseren Einkauf, lagern die Produkte neun Monate des Jahres und verkaufen sie dann zur Saison. Das bedeutet jedoch, dass die Marge der Hersteller sehr gering ausfällt.

Mit unserer Genossenschaft haben wir nur eine Zukunftschance, wenn wir den Plattform-Gedanken aufgreifen. Wir müssen unseren Herstellern die Möglichkeit bieten, ihre Produkte über unsere Website – mit all ihren Werbemöglichkeiten – zu verkaufen. Mit unseren derzeitigen technischen Möglichkeiten schaffen wir es noch nicht, die Hersteller an der Endkundenmarge zu beteiligen. Das müssen wir mit dem nächsten Innovationsschritt ändern.

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

  1. Auf Kundenwünsche hören
  2. Kreativität
  3. Mut

 

Hier geht´s zum virtuellen Weihnachtsmarkt!

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