Transparenz für Kunden als Wachstumsfaktor

Interview mit Kristina Goertz, Marketingchefin Goertz Möbel Manufaktur (Wismar, Mecklenburg-Vorpommern)

Von Jan Kürvers am 12.01.2021

Kristina und Torsten Goertz im Maschinenraum der Tischlerei (Foto: Uwe Tölle)

Kristina und Torsten Goertz im Maschinenraum der Tischlerei (Foto: Uwe Tölle)

 

Die Möbel-Produktion der Goertz Möbelmanufaktur GmbH ist im wahrsten Sinne des Wortes transparent. Das Unternehmen legt großen Wert darauf, seinen Kundinnen und Kunden einen Einblick hinter die Kulissen zu gewähren. Neben regelmäßigen öffentlichen Führungen, jeweils donnerstags um 11 Uhr , werden auch individuelle Führungen mit Schulklassen oder größeren Gruppen durchgeführt. Auch können Besucher*innen des Ladengeschäfts der Manufaktur die Tischlerei jederzeit durch Fenstereinblicke einsehen.

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Wir sind eine kleine, gläserne Möbelmanufaktur aus Wismar. Das bedeutet, wir haben eine Tischlerei, die von allen Seiten einsehbar ist. Dort stellen wir größtenteils Möbel für Einrichtungen von Privathaushalten her. Aber auch größere Projekte wie z.B. die Einrichtung von Kindergärten oder Ladengeschäften betreuen wir vom Entwurf bis hin zur Lieferung. Wir freuen uns über jedes Projekt – vom kleinen Klapptisch bis hin zur kompletten Objekteinrichtung. Wenn jemand im Möbelhaus nicht das passende Stück findet, dann liegt es an uns das gewünschte Möbelstück zu designen und zu produzieren. Unsere Produktdesignerin kann von den gewünschten Möbelstücken 3D-Modelle erstellen und in unserer Tischlerei werden diese dann nach Vorlage der Zeichnungen produziert.

Weiterhin stellen wir auch eigene Produkte her. Das sind hauptsächlich kleinere Wohnaccessoires, wie z.B. Zeitungsständer, Schneidebretter und dekorative Artikel aus massivem Holz, wie z.B. Kerzenhalter, Osterhasten, Sterne oder Tannenbäume. Diese bieten wir, mit Produkten weiterer kleiner Betriebe oder Startups, in unserem Ladengeschäft vor der Tischlerei an. Unsere eigenen Produkte kann man zudem auch in unserem Onlineshop finden.

Blick in das Ladengeschäft der Goertz Möbelmanufaktur (hinter den Fenstern auf der linken Seite befindet sich die Werkstatt, in der all die schönen Holzaccessoires entstehen)

Blick in das Ladengeschäft der Goertz Möbelmanufaktur (hinter den Fenstern auf der linken Seite befindet sich die Werkstatt, in der all die schönen Holzaccessoires entstehen). (Foto: Goertz Möbel Manufaktur)

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen? 

2010 hat mein Mann, Torsten Goertz, die Möbelmanufaktur gegründet. Nach einigen Jahren im Bereich der Betriebswirtschaft fehlte ihm das Handwerk mehr und mehr und so nahm er seinen ursprünglich gelernten Beruf als Möbeltischler wieder auf und kehrte zum Handwerk zurück. Die ersten fünf Jahre arbeitete er allein in einem Schuppen auf unserem Grundstück. Irgendwann kam der Zeitpunkt für eine Vergrößerung und wir entschieden uns für einen Ort, an dem wir zeigen konnten, was hinter dem Bau eines Möbelstücks eigentlich alles steckt. Ein Möbelstück, das in Deutschland aus europäischen Hölzern entworfen und gebaut wird hat einen gewissen Wert. Die Arbeit, die in der Produktion eines Möbelstücks liegt, möchten wir gerne unseren Kunden näherbringen. Auch möchten wir junge Menschen von der Attraktivität des Handwerks überzeugen. Das steckt hinter der Idee, eine gläserne Möbelmanufaktur zu errichten.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Das Haus, in dem sich heute die Tischlerei befindet, wurde 2016 fertiggestellt. Für den Kauf der nötigen Maschinen haben wir einen Investitionszuschuss aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ erhalten, die an die Schaffung von Arbeitsplätzen  gekoppelt war. So stellten wir während der Bauphase Ende 2015 die ersten beiden Tischler*innen ein, die uns direkt beim Bau unterstützen konnten. Danach sind wir nach Bedarf gewachsen und haben zwei weitere Tischler, eine Produktdesignerin, eine Tischlermeisterin und zwei Ansprechpartner*innen für das Ladengeschäft eingestellt.

Als Unternehmen suchen wir den Kontakt zu jungen Talenten, deshalb arbeiten wir mit der Hochschule Wismar zusammen. Darüber haben wir auch unsere jetzige Produktdesignerin kennengelernt, die wir durch ein gemeinsames Projekt kennengelernt haben. Sie hat dann auch ihr Praktikum bei uns absolviert, nach dem Praktikum einen Minijob und nach Studienabschluss hat unsere Mitarbeiterin dann als Produktdesignerin bei uns angefangen. Praktikant*innen sind bei uns im Bereich der Tischlerei jederzeit willkommen. Drei Praktikanten*innen haben sich nach dem Praktikum für eine Tischlerlehre in unserem Hause entschieden. Wir sind stolz an der Ausbildung von Nachwuchs teilhaben zu dürfen.

 

Tischlergeselle Lucas Hellwig arbeitet hier am Projekt „Arbeitszimmer“ 

Tischlergeselle Lucas Hellwig arbeitet hier am Projekt „Arbeitszimmer“ (Foto: Möbel Manufaktur Goertz)

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Die schwierigste Hürde ist natürlich der Anfang. Hier braucht man Mut und eigentlich wäre gerade hier auch wohlgesinnte Unterstützung hilfreich. Erfahrungsgemäß bekommt man diese leider als junges Unternehmen kaum. Umso glücklicher waren wir über den schon erwähnten Zuschuss für die Anschaffung unserer doch sehr kostenintensiven Maschinen.

Wenn ein Unternehmen wächst, dann fängt es irgendwann an zu ruckeln. Damit meine ich, dass vorhandene Strukturen und Abläufe nicht mehr einwandfrei funktionieren. Dann ist es an der Zeit diese zu optimieren. Dies ist im Falle von Auftragswachstum und einer erhöhten Anzahl an Personal der Fall. Hilfreich sind dann Bekanntschaften mit anderen Unternehmern, die ähnliche Wachstumsherausforderungen schon meistern konnten. Ein reger Austausch mit Gleichgesinnten ist meistens der Anfang einer guten Idee.

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Gutes Marketing ;-)

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