Wachsen, um den Weltraum zu erobern

Interview mit Robert Böhme, Founder der Planetary Transportation Systems GmbH (Berlin)

Von Anja Luckas am 12.05.2021

Beim Unternehmen Planetary Transportation Systems (PTS) ist der Name Programm. Seit 13 Jahren entwickelt das Team aus Berlin nicht nur Technologien für die Raumfahrtindustrie, sondern verfolgt konsequent auch die Vision eigener Weltraummissionen. Diesem Kernziel ordnet Unternehmensgründer Robert Böhme das schrittweise Wachstum unter, das er sowohl durch private Investoren, als auch aus öffentlichen Aufträgen generiert.

 

Robert Böhme vor dem Modell des Projektes Mission to the Moon, © Joerg Mitter

 Robert Böhme vor dem Modell des Projektes Mission to the Moon. © Joerg Mitter

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Wir sind ein privates Raumfahrtunternehmen, das in erster Linie eigens entwickelte Technologie und Dienstleistungen für die Raumfahrt anbietet. Zu unseren Kunden zählen private Unternehmen sowie auch Raumfahrtagenturen. Unsere Produktpalette umfasst Computer und Software aller Art. Wir fertigen quasi das Gehirn moderner Raumschiffe und Satelliten, die sogenannte Avionik. Darüber hinaus wollen wir Dienstleistungen, wie zum Beispiel Datenverarbeitung direkt im Weltall, basierend auf eigenen Weltraummissionen anbieten. Das heißt, wir nutzen unsere Elektronik für eigene Raumschiffe und Satelliten, die wir zu fernen Zielen wie dem Erdorbit, Mond und Mars schicken, um vor Ort dann Daten für die Forschung zu sammeln anzubieten. Unsere große Zukunftsvision ist es, mit diesen Missionen Begeisterung für die Raumfahrt zu wecken und obendrein einen direkten kommerziellen Mehrwert für Privatpersonen bieten zu können.

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

Unser Unternehmen gibt es seit nunmehr 13 Jahren. In der ersten Phase unserer Unternehmensgeschichte sind wir sehr schnell gewachsen und haben jedes Kapital sofort in neue Entwicklungen investiert, um weitere Umsätze zu generieren. Nach elf sehr erfolgreichen Jahren kamen wir so jedoch an einen schwierigen Punkt und gerieten in eine Insolvenz. Mithilfe eines Investors, der familiengeführten Zeitfracht-Gruppe, gelang es, unser Unternehmen neu aufzustellen und erfolgreich aus dieser Krise zu führen. Seitdem verfolgen wir ein sehr geradliniges, projekt- und umsatzgetriebenes Wachstum, dessen Grundlage das sogenannte „Brot und Butter-Geschäft“, also ein Grundmaß an Projekten, bildet. Zurzeit haben wir in der Regel mehr Projekte und Aufträge, als wir abarbeiten können. Sie bilden die Basis, um Schritt für Schritt wachsen können.

 Planetary Transportation Systems (PTS) entwickelt sozusagen das „Gehirn“ für moderne Raumschiffe und Satelliten

Planetary Transportation Systems (PTS) entwickelt sozusagen das „Gehirn“ für moderne Raumschiffe und Satelliten. © PTS GmbH

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Beim Wachstum steht unser Haupt-Unternehmensziel immer im Fokus. Das heißt, dass wir bei jedem Projekt sehr genau hinschauen, ob es sich mit unserem Ziel, Weltraummissionen und Dienstleistungen im All anzubieten, deckt. Nur wenn das der Fall ist, expandieren wir auch. Projekte, die nicht direkt unser Kernziel betreffen, versuchen wir mit dem bestehenden Team zu lösen. So laufen wir nicht Gefahr, in die falsche Richtung zu wachsen und unser eigentliches Unternehmensziel aus den Augen zu verlieren. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Wir wachsen, um irgendwann kommerzielle Missionen ins All zu schicken und damit Geld zu verdienen. Dafür verstärken wir unser Team und nehmen passende Projekte und Aufträge an.

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Die größte Herausforderung ist es, mit den langen Entscheidungshorizonten von Projekten und Aufträgen umzugehen, die aus dem öffentlichen Bereich kommen. Hier haben wir es teilweise mit Entscheidungszyklen und Antragsphasen von 12 bis 18 Monaten zu tun. Für ein agiles Unternehmen wie PTS, das sich am Markt behaupten muss, stellt das ein sehr großes Risiko dar und ist oft nur schwer zu realisieren. Die Schwierigkeiten sind hier, immer das passende Personal und die Fähigkeiten vorzuhalten. Da wir jedoch konsequent unsere eigene Technologie für eigene Raummissionen entwickelt haben, konnten wir unsere Fähigkeiten immer weiter ausbauen. Dies gab unseren Partnern, Kunden und Investoren vorab das nötige Vertrauen, um unabhängig von großen Programmen in uns zu investieren. Diese Strategie zahlt sich insofern doppelt aus, indem parallel vorangetriebene öffentliche Aufträge hinzukommen.  

 

Robert Boehme, CEO des Berliner Unternehmens Planetary Transportation Systems, , © Joerg Mitter

Robert Boehme, CEO des Berliner Unternehmens
Planetary Transportation Systems, , © Joerg Mitter

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Fokus, Fokus und Fokus! Definiert Euer Kern-Unternehmensziel und den Markt. Meiner Ansicht nach gehören maximal ein bis zwei Projekte ins Portfolio, die sich von diesem Ziel unterscheiden. Alle anderen Projekte und Bereiche, für die Personal eingestellt wird, sollten die eigentliche Unternehmensvision vorantreiben.

Als Bonustipp sei noch gesagt, dass es sich lohnt, möglichst viel Zeit in das Recruiting zu stecken und sich sehr genau mit seinen Mitarbeitern auseinanderzusetzen. Denn nur ein Team, das vertrauensvoll zusammenarbeitet, kann auch gut funktionieren.

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