Wachstum durch disruptive Digitalisierung

Interview mit Christian Range, Co-Founder von hepster (MOINsure GmbH), Rostock

Von Anja Luckas am 18.08.2021

2016 ging das Rostocker InsurTech hepster an den Start, um die Versicherungsbranche aufzumischen – eine Branche, die es bisher versäumt hat, sich parallel zu neuen, spannenden Möglichkeiten digitaler Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. hepster greift mit seinem Ansatz der eingebetteten Versicherungen, auch als „Embedded Insurance“ bekannt, diese Möglichkeiten auf und entwickelt mit seiner Plattform volldigitale und individualisierbare Versicherungslösungen, basierend auf den Bedürfnissen von Endkunden und Partnern. CEO und Mitgründer Christian Range erklärt im Interview, welche Wachstumspotenziale das digitale Geschäftsmodell mit den eingebetteten Versicherungen mit sich bringt.

 

Die drei Gründer:innen von hepster: Alexander Hornung (links), Hanna Bachmann und Christian Range. Foto: MOINsure GmbH

 

Welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Mittels einer API-getriebenen (schnittstellenbasierten) Plattform entwickeln wir bedarfsorientierte und individualisierbare Versicherungslösungen für Kooperationspartner und Endkunden. Dank volldigitaler Prozesse lassen sich die maßgeschneiderten Versicherungen einfach in die jeweilige Customer Journey und Servicewelten von hepsters Kooperationspartnern integrieren – ob im stationären Vertrieb oder im Online-Shop für Consumer Electronics, der Miet- und Verleihstation für E-Bikes oder im Leasing-Antrag fürs neue Dienstrad. 

Dabei bilden wir die gesamte Wertschöpfungskette der Versicherung digital und automatisiert ab: von der Produktentwicklung und Buchung einer Versicherung, bis hin zur Vertragsverwaltung, der Dokumentenerstellung in Echtzeit und der Schadenregulierung. Über unsere Kooperationspartner und unseren hauseigenen Webshop bieten wir derzeit Produkte aus den Bereichen Mobilitäts-, Elektronik-, Tier-, Reise- und Unfallversicherungen an.

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

Unsere Gründung im Jahr 2016 legt den Grundstein für ein enormes und kontinuierliches Wachstum. In gerade einmal 5 Jahren ist unser Team auf mehr als 70 Mitarbeiter:innen gewachsen. Gemeinsam konnten wir so mehr als 300 bedarfsorientierte und individuelle Versicherungen entwickeln, die mittlerweile über 1.000 Partner und 100.000 Kunden begeistern. Allein 2020 stieg unser Umsatz um 600 Prozent.

 

Die Online-Plattform von hepster, die ihre Services für Business- und Endkunden anbieten und damit ein B2B2X-Geschäftsmodell verfolgen. Screenshot: VDI Technologiezentrum GmbH

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Unser Geschäftsmodell mit komplett digitalen Versicherungen ist auf den Bereich der „Embedded Insurance“ ausgerichtet. Sprich auf die Einbettung und Integration von Versicherungen in bestehende Prozesse. Versicherungen sind längst keine Stand-Alone-Produkte mehr, sondern werden immer mehr Teil eines Gesamtprozesses. Es geht uns also darum, die Entwicklung von Versicherungen und deren Einbindung in die Customer Journey eines Partners so zu gestalten, dass es für den Kunden sinnig und einfach ist, die gewünschte Versicherung zu beziehen und handzuhaben. Gerade in Puncto Verwaltung, aber auch hinsichtlich der Schadensmeldung und -abrechnung.

Unser Fokus liegt daher auf der Entwicklung von Versicherungsprodukten für Unternehmen sowie die Integration und Einbettung in ihre Geschäftsprozesse. Letztlich verfolgen wir mit diesem vollintegrativen Ansatz der „Embedded Insurance“ einem B2B2X-Geschäftsmodell und sehen hier enormes Potential für ein ideales Aufeinandertreffen der Bedarfsbefriedigung unserer Partner und ihrer Kunden.

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Die Herausforderungen waren recht vielfältig – wie bei nahezu jedem Startup. Für uns als InsurTech war gerade zu Beginn jedoch eine ganzheitliche detaillierte Marktanalyse nahezu unmöglich. Die Summe verschiedener Variablen führte dazu, dass die Potentiale anfangs sehr ungenau aussahen. Das holte uns auch bei der Suche nach passenden Risikoträgern und Kooperationspartnern ein. Gerade im Versicherungsbereich sind Daten essenziell für die Kalkulation – ohne diese wird es sehr schwer, hier wird ungern experimentiert. Markt und Risikoträger müssen überzeugt sein, um auch die Finanzierung sicherstellen zu können. Diesen Dreiklang als „Knoten“ zu lösen war eine der größten Herausforderungen. Letztlich konnten wir auch die zu uns passenden Partner finden – wie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft MV, die uns seit jeher begleitet, sodass wir mit hepster heute genau da stehen, wo wir sind.

Auch das Thema Regionalität war für uns als InsurTech anfangs eine Herausforderung. Die ersten Referenzen eines jungen Unternehmens oder Startups stammen im Normalfall aus der Region. So können alle Beteiligten von dem Innovationsgeist und den Erfahrungen lernen, daran wachsen und sich weiterentwickeln. Gegenseitige Unterstützung ist essenziell.

Über die Jahre hat sich jedoch ein harter Kern an Startups aus MV entwickelt, die, auch wenn wir aus sehr unterschiedlichen Branchen kommen, seit Jahren immer wieder aufeinandertreffen und versuchen, sich gegenseitige und die Politik bei ihren Vorhaben rund um das Thema Digitalisierung zu unterstützen. So ist zum Beispiel unsere Mitgründerin und COO Hanna Bachmann Teil der Initiative 5_Scales, die in MV Startups und junge Unternehmen in ihrem Wachstum und der Skalierungsausrichtung unterstützt. Das Interesse der regionalen Unternehmen steigt stark in Bezug auf innovative Entwicklungen.

 

Der CEO von hepster, Christian Range, beschäftigt inzwischen 70 Mitarbeiter:innen und konnte 2020 ein Umsatzwachstum von 600 Prozent verzeichnen. Foto: MOINsure GmbH

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Das richtige Team ist das A und O. Die beste Planung und Strategie nützt nichts, wenn einem die richtigen Leute fehlen. Wir sehen bei hepster immer wieder, wie viel wir durch unser starkes, tolles Team sowie der vielfältigen Erfahrung und Expertise in allen Geschäftsbereichen erreichen konnten und können. Dafür sind wir sehr dankbar.

Das Wachstum eines jeden Startups durchläuft immer dieselben Phasen – Gründung und Pilotphase, Markteintritt, Marktdurchdringung, Internationalisierung. Diese Phasen folgen im Grund einer klaren Struktur, die bestimmte Ergebnisse erwarten und mit sich bringen (müssen). Diese Ergebnisse erreicht man nur mit dem richtigen Team. Auch sind die Probleme und Herausforderungen in nahezu jedem Startup identisch – auch diese lassen sich in jeder Phase des Wachstums durch das entsprechende Know-How und die Teamleistung erfolgreich meistern. Gründer:innen muss daher bewusst sein, worauf es in den jeweiligen Phasen ankommt.

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