Wachstum mit Geld-zurück-Garantie

Interview mit Dr. Michael Potstada, Founder & CEO der Zasta GmbH, Rostock

Von Anja Luckas am 19.08.2021

Rund 12,5 Millionen Menschen in Deutschland geben aus unterschiedlichsten Gründen keine Einkommenssteuererklärung ab, obwohl ihnen eine Rückerstattung vom Finanzamt zusteht. Das zu ändern, hat sich die 2017 gegründete Zasta GmbH mit Sitz in Rostock zum Ziel gesetzt und eine digitale Plattform entwickelt, auf der sich Nutzer die Erstattungshöhe automatisch ausrechnen lassen und ein unverbindliches Angebot eines Steuerberaters einholen können. Wie das funktioniert und wie sich die Zasta GmbH in der lauten Online-Welt behauptet, erklärt Gründer und CEO Dr. Michael Potstada im Interview.

 

Zasta Gründer

Die Gründer der Zasta GmbH: Jörg Südkamp (Bild links) und Dr. Michael Potstada. Foto: Zasta GmbH

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistung bieten Sie an?

Vereinfacht ausgedrückt hat die Zasta GmbH eine Software entwickelt, die es jedem ermöglicht, das Geld vom Finanzamt zurückzubekommen, das ihm zusteht. Das heißt, wir bringen auf unserer digitalen Plattform Nutzer mit Partner-Steuerberaterinnen und -beratern zusammen. Diese rechnen anhand der beim Finanzamt hinterlegten eDaten und mit Hilfe unserer intelligenten Software in nur wenigen Tagen die Erstattungshöhe aus. Das Ergebnis wird mit einem Angebot zur Erstellung der Steuererklärung an die Nutzer gesendet. Diese  können sich Erstattung und Angebot unverbindlich anschauen und erst dann entscheiden ob sie das Angebot annehmen wollen oder eben nicht, Nach Annahme des Angebots kann durch hochladen von Belegen per Handy die Steuererstattung nochmals  optimiert werden, alles stets mit digitaler Unterstützung der Steuerberaterin bzw. Steuerberaters in der Hosentasche. Diese komplette Digitalisierung bedeutet nachweislich eine Zeitersparnis für die Steuerberaterinnen und Steuerberater von 86 Prozent, weshalb die Kosten für die Nutzer sehr viel geringer sind als üblich.

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

Mein Mitgründer Jörg Südkamp und ich haben Zasta im Jahr 2017 in Berlin gegründet und mit einem Minimal Viable Product (MVP) klein angefangen. Diese erste Plattform diente damals zunächst zu Testzwecken, um herauszufinden, ob unsere Idee funktioniert und die Nutzer Vertrauen haben. Das Feedback war ungeheuer groß, so dass wir schon bald eine erste Investitionsrunde gestartet und auf Anhieb zwei private Investoren - sowohl Venture Capital, als auch Business Angel - gefunden haben. So konnten wir unser Produkt immer weiterentwickeln und neue Mitarbeiter einstellen. Mit dem Einstieg der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern haben wir unseren Firmensitz dann nach Rostock verlegt, wo wir heute 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. Unser stärkstes Jahr bisher war 2020 mit einem Umsatzwachstum von 700 Prozent. Enorme Aufmerksamkeit hat uns in diesem Frühjahr ein Auftritt in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ gebracht. Wir sind also weiterhin auf Wachstumskurs.

 

Mit der Zasta App soll die Steuererklärung in ein paar Minuten gelingen. Screenshot: Zasta GmbH

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Anders als viele andere haben wir bei Zasta von Beginn an nicht die Strategie „ganz schnell ganz viel“ verfolgt, sondern haben auf Produktentwicklung und Produktwachstum gesetzt. Das war uns nicht zuletzt aufgrund der komplexen und komplizierten Inhalte wichtig. Nach gut zwei Jahren haben wir dann gemerkt, dass wir skalieren können und vorrangig in Online-Marketing und Influencer-Kontakte investiert. Mit Blick in die Zukunft suchen wir starke Partner, die unsere Mission verstehen. Dies könnten beispielsweise kleine und mittelständische Unternehmen sein, die ihre Belegschaft auf unsere Plattform bringen, um ihnen bei der Einkommenssteuererklärung unter die Arme zu greifen. Denn das Ziel von Zasta ist, das niemand mehr auf eine Rückerstattung vom Finanzamt verzichten soll. Immerhin wissen wir, dass in Deutschland 12,5 Millionen Menschen keine Einkommenssteuererklärung abgeben. Entweder weil es ihnen zu kompliziert ist, es Sprachbarrieren gibt oder ihnen der Steuerberater zu teuer ist.

 

Welche Herausforderungen sind durch bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Die größte Hürde noch vor der Gründung von Zasta waren die vielen Abers. Wir haben viele Gespräche mit Dritten geführt und bekamen meist zur Antwort: „Die Idee ist ja gut, aber ...“ Trotzdem haben wir an uns und an den Mehrwert unserer Mission geglaubt und schließlich den Schritt von Null auf eins, also zum ersten Kunden, gewagt. In einem zweiten Schritt ging es dann darum, Risikokapital zu akquirieren. Die vielleicht größte Herausforderung aber war, sich von insgesamt gut 20 vorhandenen Selbstmach-Steuer-Tools abzuheben und sich in der lauten Online-Welt als „machen lassen“ Option zu positionieren. Dabei haben wir festgestellt, dass Mund-zu-Mund-Propaganda nach wie vor einer der wichtigsten Wachstumsfaktoren ist.

 

Dr. Michael Potstada empfiehlt Startups den Markt und die Konkurrenz eingehend zu sondieren. Foto: Zasta GmbH

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Ich kann allen angehenden Start-up-Unternehmerinnen und Unternehmern nur raten, vor der Gründung ihre Hausaufgaben zu machen. Das heißt, den Markt und die Wettbewerber zu verstehen und nicht nur auf Freunde und Bekannte zu vertrauen, sondern früh das Gespräch mit dem Endnutzer zu suchen. So überzeugt man nicht nur Investoren, sondern auch sich selbst. Mindestens ebenso wichtig ist das Team. Nur wer die richtigen Leute im Team hat, kann seine Idee auch verwirklichen und weiter vorantreiben. Gerade in den großen Medien wird momentan jedoch der Eindruck geschürt, die Gründung eines Start-ups sei der Weg, um schnell und einfach reich zu werden. Wer das glaubt, irrt allerdings. Deshalb mein ganz persönlicher Tipp zum Schluss: Macht euch immer wieder bewusst, dass das Gründersein ein Marathon und kein Sprint ist.

 

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