An Herausforderungen in der Pandemie wachsen

Interview mit Thomas Eichentopf, Brand Manager der deutschen Fahrradmarke Diamant in Hartmannsdorf bei Chemnitz

Von Anja Luckas am 28.09.2021

Für den sächsischen Fahrradhersteller Diamant war das vergangene Jahr eine der größten Herausforderungen in der mittlerweile 145-jährigen Firmengeschichte. Angesichts des Booms der gesamten Branche konnte das Unternehmen, das seit 2003 zum amerikanischen Familienunternehmen Trek gehört, seine Produktionsstätten in Hartmannsdorf bei Chemnitz weiter ausbauen und neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen. Gleichzeitig hatte es jedoch wie viele andere mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Was die Trek Diamant Werke dennoch von anderen Traditionsunternehmen unterscheidet und warum die persönliche Bindung beim Wachstum so wichtig ist, erläutert Brand Manager Thomas Eichentopf im Interview.

 

Thomas Eichentopf, Brand Manager der deutschen Fahrradmarke Diamant.

Thomas Eichentopf, Brand Manager der deutschen Fahrradmarke Diamant. (Foto: Diamant)

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Wir stellen seit 1885 Fahrräder her und gelten damit als älteste durchgehend bestehende Fahrradmarke Deutschlands. Wir bauen aber nicht einfach Fahrräder. Wir geben den Menschen ein Produkt, um damit mehr zu erreichen: Mobilität, Aktivität und Qualität. Durch Mobilität bieten wir ihnen Unabhängigkeit von Zeit und Weg. Für jeden Tag und jeden Anlass.

Die Geschichte von Diamant ist gefüllt mit glücklichen Zufällen und Geschichten von Scheitern und Wiederaufstehen. Gegründet wurde das Unternehmen 1885 von den Brüdern Friedrich und Wilhelm Nevoigt in Reichenbrand. Ab 1895 rollten die ersten Fahrräder unter dem Namen Diamant vom Band. 1927 kam es infolge der Weltwirtschaftskrise zur Insolvenz, welche aber 1928 von der Aktiengesellschaft Adam Opel abgewendet wurde. Ab 1935 ging es dann für mehrere Jahre aufwärts, bis 1992 die Gruppe Villiger aus der Schweiz Diamant übernommen und vor der Pleite bewahrt hat. Zu diesem Zeitpunkt wurde dann das Werk von Reichenbrand nach Hartmannsdorf bei Chemnitz verlegt. Seither werden unsere Fahrräder dort produziert. Allerdings nicht mehr unter der Federführung von Villiger, sondern seit 2003 unter dem Dach des amerikanischen Familienunternehmens Trek. Heute sind die Trek Diamant Werke in Hartmannsdorf die einzige eigene Fahrradfabrik von Trek weltweit.

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

Diamant ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Die Corona-Pandemie sorgte dann 2020 für einen zusätzlichen Schub in der ohnehin boomenden Branche. Damit sind auch die Umsätze entsprechend gestiegen und der Personalbestand erweitert worden. Um die Lieferfähigkeit weiterhin so gut wie möglich zu gewährleisten, werden unsere Werke in Hartmannsdorf ausgebaut. Wir setzen solange alle möglichen Hebel in Bewegung, um eine möglichst gute Warenversorgung zu gewährleisten.

 

Blick in die Produktionshalle von Diamant in Hartmannsdorf bei Chemnitz. (Foto: Diamant)

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Unser grundsätzliches Ziel ist es, das lange Erbe von Diamant fortzuschreiben – jeden Tag mit Stolz und Dankbarkeit. Unsere Arbeit schreibt jeden Tag neue Zeilen in den Geschichtsbüchern der Zukunft. Diamant war und ist uns eine Herzensangelegenheit. Diese persönliche Bindung teilen wir mit vielen treuen Fans der Marke. Sie ist das, was Diamant von anderen Traditionsunternehmen unterscheidet. Unser Credo war und ist es auch heute noch, Menschen für das Fahrradfahren zu begeistern und ihnen damit eine umweltbewusstere Fortbewegungsmöglichkeit bieten zu können.

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Das Wachstum in Raketentempo hat viele Herausforderungen mit sich gebracht. 2020 war ein Jahr der Extreme für die ganze Branche: Lager waren ausverkauft, Händler standen teilweise ohne Bikes da und die Service-Wartezeiten haben sich vermehrt verzögert. Durch den Fahrrad-Boom sind die Lieferzeiten im letzten Jahr für einige Diamanträder von wenigen Wochen auf Monate geschossen. Das liegt unter anderem daran, dass viele Lieferanten von Fahrradkomponenten in Asien, insbesondere in China, aufgrund des Coronavirus Werke schließen und die Produktion zurückfahren mussten. Fehlt also beispielsweise ein Schalthebel oder eine Bremse, kann das Fahrrad nicht fertiggestellt und ausgeliefert werden. Dies sorgte dann dafür, dass auch in unserem Werk in Hartmannsdorf die Mitarbeiter nicht so viele Räder bauen konnten, wie das die Kapazität der Bänder ermöglichen würde.

Wir haben ein unglaubliches Jahr hinter uns, sind aber auch an unsere Grenzen gestoßen. Wir sind durch die vielen Herausforderungen gewachsen, wir sind flexibler geworden und zuversichtlich, dass sich die Lieferverzögerungen und Verfügbarkeiten wieder einpendeln werden. Wir sind optimistisch und geben unser Bestes, alle Kunden zufriedenzustellen und die große Nachfrage zu decken.

 

Das lange Erbe von Diamant fortzuschreiben, ist den Mitarbeiter:innen eine Herzensangelegenheit. (Foto: Diamant)

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

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