Wachstum durch Vernetzung

Interview mit Sebastian Böttner, CTO & Co-Founder der Elinvar GmbH mit Sitz in Berlin und Magdeburg

Von Anja Luckas am 25.10.2021

Seit seiner Gründung im Jahr 2016 treibt das WealthTech-Unternehmen Elinvar mit Sitz in Berlin und Magdeburg die Digitalisierung der Vermögensverwaltung voran. Die drei Gründer beschäftigen mittlerweile mehr als 130 Mitarbeiter:innen aus 35 Nationen. Sie setzen dabei auf die Vernetzung des gesamten Ökosystems der Vermögensanlage. Dadurch können sie den Kunden auf ihrer "WealthTech Platform as a Service" individuell auf sie zugeschnittene Lösungen anbieten. Wie wichtig beim Wachstum Partnerschaften und die Kombination unterschiedlicher Kernkompetenzen sind, erläutert CTO & Co-Founder Sebastian Böttner im Interview.

 

Sebastian Böttner, CTO von Elinvar, hat die WealthTech-Plattform 2016 gemeinsam mit Chris Bartz und Dr. Marco Neuhaus gegründet. Fotos: Enlinvar GmbH

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Elinvar bietet eine WealthTech Platform as a Service, die es Banken, Vermögensverwaltern und anderen Dienstleistern im Bereich der Vermögensanlage ermöglicht, ihr Geschäftsmodell zu digitalisieren. Wir liefern die technologische und regulatorische Infrastruktur für digitale und hybride Lösungen in der Vermögensanlage. Dabei ist es unser Ziel, das gesamte Ökosystem der Vermögensanlage auf unserer Plattform zu vernetzen. 

Zu unseren Leistungen gehört eine Vielzahl von Service-Paketen für Kernprozesse der Vermögensanlage und die Anbindung von Drittservices. Unsere Partner wählen jeweils auf ihr Geschäftsmodell abgestimmt aus, was sie davon benötigen: In unserem jüngsten Projekt stellen wir etwa die technologische Infrastruktur für eine Kooperation zwischen der DJE Kapital AG (DJE) und der Deutschen Kreditbank AG (DKB), die gemeinsam eine digitale Vermögensverwaltung gestartet haben. Klarwert, die neu gegründete Tochter der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, nutzt unsere WealthTech-Plattform für ihr gesamtes Angebot. Und Deutschlands größtes Haftungsdach, die Fondsdepot Bank, digitalisiert den Versicherungsvertrieb mit der Elinvar Plattform. Dazu kommen noch etliche weitere Kooperationen mit unterschiedlichen Partnern.

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

Elinvar wurde 2016 von Chris Bartz, Dr. Marco Neuhaus und mir gegründet; finleap und Ampega waren dabei Gründungsinvestoren. Mit Goldman Sachs und Toscafund konnten wir seitdem zwei weitere erstklassige Gesellschafter gewinnen. Inzwischen haben wir über 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zwei Offices in Berlin und Magdeburg sowie etliche Teammitglieder, die remote über Deutschland verteilt arbeiten. Wir sind besonders stolz auf unser internationales Team: Bei Elinvar treffen Menschen aus über 35 Nationen zusammen. Ein Großteil unseres Teams, nämlich 70 Prozent, verfügt dabei über einen Tech-Background.

Schon von Beginn unserer Geschäftstätigkeit an gab es eine intensive Nachfrage für eine technologische Digitalisierungslösung, die auch regulatorische Standards erfüllt. Auch weil wir als regulierter Finanzportfolioverwalter schon seit 2017 über eine BaFin-Lizenz verfügen, konnten wir uns schnell sehr erfolgreich am Markt positionieren und rasch wachsen. Mit der Skalierung der Plattform können wir den Kundennutzen für alle Partner und Endkunden maximieren – deshalb arbeiten wir konstant mit Hochdruck daran, weitere Partner und Drittdienstleister an unsere Plattform anzubinden, auch im Geschäftsfeld Wealth Management as a Service.

 

Das Elinvar-Team vereint Technologie- und Finanzexpertise. Menschen mit über 35 verschiedenen Nationalitäten arbeiten bei Elinvar am gemeinsamen Erfolg.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Wir sind überzeugt, dass die besten Lösungen in Partnerschaft entstehen. Wir beobachten schon seit Jahrzehnten, dass die Wertschöpfungsketten für Finanzdienstleistungen aufbrechen. Durch Zusammenarbeit im Ökosystem entstehen bessere, kosteneffektivere und individuellere Lösungen für den maximalem Kundennutzen. Ein einzelner Anbieter kann in dieser Qualität nicht bieten, was durch Kooperation und die Kombination unterschiedlicher Kernkompetenzen im Ökosystem möglich wird.

Dazu kommt: Nur durch die Digitalisierung können Finanzakteure wettbewerbsfähig bleiben. Die Vorteile der Digitalisierung, also etwa Datenanalyse und Kosteneffizienz, sind nur dann verfügbar, wenn alle Prozesse end-to-end digitalisiert sind. Um am Ökosystem teilzunehmen und den besten Kundennutzen zu bieten, müssen Finanzakteure deshalb ihre technologische Infrastruktur radikal überdenken. Wir unterstützen unsere Partner vollumfänglich mit unserem technologischen und regulatorischen Know-How. So können sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und die vorhandenen Ressourcen optimal nutzen.

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Unser Ziel ist immer nachhaltiges, leanes Wachstum. Dennoch sind wir in kurzer Zeit massiv gewachsen. Das heißt: eine wesentliche Konstante für unser Unternehmen ist Veränderung. Darauf haben wir uns von Anfang an eingestellt. Eine der Stärken unserer Plattform, genauso aber von Elinvar als Unternehmen, ist Adaptabilität: Unsere cloud-native Softwarearchitektur baut auf unabhängige Microservices auf und kann deshalb schnell auf neue Anforderungen, regulatorische Änderungen oder technische Neuerungen angepasst werden. 
Diese Struktur haben wir uns auch für unsere interne Organisation zum Vorbild genommen: Wir arbeiten in thematisch unabhängigen, aber gut vernetzten technischen Squads, die jeweils die Verantwortung für einen Teil unserer Service-Pakete und unserer Plattform tragen. Wir ermöglichen zusätzlichen Austausch und gegenseitiges Verständnis, indem wir auch flexibles Wachstum innerhalb des Unternehmens und personelle Wechsel zwischen den verschiedenen Squads ermöglichen. Durch diese Struktur können wir unser schnelles Wachstum sinnvoll abbilden. Trotzdem ist es eine kontinuierliche Herausforderung, sich immer wieder neu aufzustellen.

 

Über 130 Teammitglieder verteilen sich auf zwei Standorte, im Prenzlauer Berg in Berlin und in Magdeburg, oder arbeiten remote über ganz Deutschland verteilt.

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Ein gutes Team ist absolut erfolgsentscheidend. Daher ist es von Anfang an zentral, die richtigen Menschen zu gewinnen; das betrifft sowohl die Expertise als auch das Mindset, das zum Unternehmen passen muss. Mit einem guten Team ist es viel einfacher zu wachsen – und der Erfolg fühlt sich nochmal besser an, wenn man ihn gemeinsam und mit Spaß erreicht.

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