Wachstum auf „goldenem Boden“

Interview mit René Klinkmüller, Chef der Konditorei Klinkmüller aus Luckau im Spreewald

Von Anja Luckas am 01.12.2021

Im November 2021 wurde die Konditorei Klinkmüller aus Luckau mit dem Zukunftspreis Brandenburg ausgezeichnet. René Klinkmüller, selbst gelernter Konditormeister und sechs Jahre Mitglied der Nationalmannschaft der deutschen Köche, hat das Geschäft im Jahr 2018 vom Vater übernommen und zur gläsernen Schaumanufaktur umgestaltet. Qualitativ hochwertige Rohstoffe werden hier nach alter Tradition und mit moderner Technik zu „Goldstücken“ verarbeitet. Im Interview erklärt Klinkmüller, wie wichtig beim Wachstum der Glaube an die eigene Philosophie ist.

 

René Klinkmüller ist Chef der Konditorei Klinkmüller. Er ist selbst gelernter Konditormeister und war sechs Jahre Mitglied der Nationalmannschaft der deutschen Köche. (Fotos: Konditorei Klinkmüller)

 

Was stellt Ihre Firma her, bzw. welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Wir sind eine klassische Konditorei und Bäckerei und bieten das komplette Spektrum an, das unser traditionsreiches Handwerk zu bieten hat. Von Backwaren über Pralinen und Eis bis hin zu aufwändigen Torten. Alle Produkte bereiten wir in unserem Hauptgeschäft in Luckau (Spreewald) mit viel Liebe zum Detail zu. Wir arbeiten nach alter Tradition, aber mit modernen Techniken und neuen „Verpackungen“. So bekommen unsere Gäste natürlich die klassische Schwarzwälder Kirschtorte, es gibt sie bei uns aber auch „im Glas“. Als gelernter Konditormeister kreiere ich außerdem immer neue Rezepte, wie zum Beispiel Gurken-Apfel-Törtchen oder andere Gemüse-Variationen. Wichtig sind mir dabei vor allem besonders hochwertige Rohstoffe. Die meisten beziehen wir, so die Qualität stimmt, aus lokalen oder regionalen Quellen, aber auch aus Frankreich, Italien, der Schweiz und Spanien.

 

Auf welche Weise ist Ihre Firma gewachsen?

Mein Vater hat die Konditorei Klinkmüller 1983 gegründet und aufgebaut. Als ich das Geschäft mit einer weiteren Filiale im Jahr 2018 übernahm, hatten wir elf Mitarbeiter*innen. Heute sind es bereits 20. Das heißt, wir sind gerade in den vergangenen drei Jahren sehr schnell gewachsen. Fast schneller, als es mir anfangs lieb war. Vor allem aber sind wir von ganz allein gewachsen. Unter anderem dadurch, dass wir die Qualität unserer Rohstoffe und Produkte stetig verbessert haben. Auch habe ich immer wieder selbst investiert, beispielsweise in neue Maschinen, die die Arbeit erleichtern, oder einen energieeffizienten Backofen. Bald konnten wir dann die ersten Wiederkäufer für uns gewinnen, also Hotels und Cafés, die unsere Produkte in ihr Sortiment aufgenommen haben und verkaufen. Zudem haben wir einen Vertrag mit einer großen Supermarkt-Kette schließen können, die unsere Waren über das ganze Bundesgebiet verstreut vertreibt. Dazu gehören unter anderem Schokolade oder, ganz neu, Stollen aus dem Hause Klinkmüller.

 

Neben den Kreationen in seiner Konditorei, fertigt René Klinkmüller für Wett-
bewerbe auch besondere Arrangements an. Er ist mehrfach ausgezeichnet.

 

Welche Strategie steckte hinter dem Wachstum?

Eine richtige Wachstumsstrategie hatte ich von Anfang an eigentlich nicht, sondern eher eine Philosophie. Nämlich, dass die Arbeit Spaß machen und die Qualität der Produkte stimmen muss. Darauf achte ich auch bei der Auswahl unserer Wiederkäufer, die ich mir vor Vertragsabschluss genau anschaue und mir mittlerweile aussuchen kann. Denn das muss harmonieren. Alles zusammen zeichnet unser Handwerk aus, so dass wir irgendwann zur Marke geworden sind.

 

Welche Herausforderungen sind durch das bzw. beim Wachstum gemeistert worden?

Die Übernahme des Geschäfts vor drei Jahren war verbunden mit dem Umbau der Konditorei Klinkmüller zur gläsernen Schaumanufaktur, in der wir unter anderem Seminare und Showbacken anbieten. Denn ich möchte mein Handwerk, dem ich mich seit meiner Kindheit verbunden fühle, auch für andere Menschen erlebbar machen. Darüber hinaus habe ich mein Betätigungsfeld als Konditormeister noch erweitert und bin ich in die Betriebsberatung eingestiegen. Das heißt, ich erarbeite für andere, auch große Unternehmen mit 30 oder 40 Filialen Strategien für die Produktentwicklung und Produktionssteuerung. Dieser Schritt war sicherlich die größte Herausforderung beim Wachstum in den vergangenen Jahren.

 

Alle Produkte werden mit viel Liebe zum Detail im Hauptgeschäft in Luckau
(Spreewald) zubereitet und von dort aus an die Filialen gelierfert.

 

Ihr Tipp für Unternehmenswachstum in Kürze!

Ich kann allen jungen Unternehmer*innen und Start-ups nur raten, nicht zu schnell wachsen zu wollen. Darunter leidet immer die Qualität. Viel wichtiger ist es, sich selbst und seiner Philosophie treu zu bleiben. Und: Man sollte immer mit Liebe und Herz bei der Sache sein.

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