Digitale Geschäftsmodelle als Wachstumstreiber - Berlin 2019

Reportage vom Unternehmertreffen in Berlin

Von Tim Gabel am 30.09.2019

Neue digitale Geschäftsmodelle können das Wachstum von mittelständischen Unternehmen ankurbeln. Das zeigt das Beispiel der metacrew group GmbH aus Berlin. Mit einer ganz neuen Art von digitalem Marketing hat es die Firma im vergangenen Jahr auf einen der vorderen Plätze der am schnellsten wachsenden Unternehmen in Deutschland und Europa geschafft. Geschäftsführer Tobias Eismann hat den Dialog Unternehmen wachsen zu einem Unternehmertreffen an den Firmenstandort in die Hauptstadt eingeladen. Hier haben er, Falco Schuett von der Next Big Thing AG und Benjamin Rohé von Germantech Digital ihre Wachstumsstrategien mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern geteilt.                                                      

Dass die Digitalisierung mitunter ganz neue Geschäftsmodelle hervorbringt ist angesichts von Uber, Spotify oder Lieferando längst bekannt. Auch die Werbewirtschaft ist bezüglich des Anzeigenmarkts und der Kundenakquise revolutioniert worden. Einer der „Gamechanger“ wollte Tobias Eismann mit seinem Unternehmen der metacrew Group GmbH sein. Der Geschäftsführer ist seit 1996 als Digitalunternehmer im Geschäft und baute ab 2008 die Werbeagentur seiner Frau zu einem der führenden Unternehmen im Bereich Abo-Commerce und Digital Business aus.

Eismann hat beobachtet, wie sich das Werbe- und Marketinggeschäft über die Jahre geändert hat. Statt die Endkunden mit Anzeigen in den Medien oder Warenkatalogen über neue Produkte zu informieren und diese zu vertreiben, bieten Internet und soziale Medien die Möglichkeiten, das Produktmarketing direkt an den Mann und die Frau zu bringen. Die Kommunikationsketten funktionieren anders und darauf lassen sich neue Geschäftsmodelle aufsetzen. Das Kerngeschäft der metacrew Group GmbH ist die Aussendung von Beauty- und Food-Boxen sowie das Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft im Bereich „digital business“ für namhafte Firmen in der Food- und Beauty-Branche.

Soziale Netzwerke für die Kundenakquise und –bindung entscheidend

„Ohne die sozialen Netzwerke würde unser Geschäftsmodell nicht funktionieren. Wir können hier sehr genau spezifische Zielgruppen ansprechen und direkt mit unseren Kundinnen kommunizieren“, sagt Tobias Eismann. Die enge Verbindung, die die metacrew zu ihren Kundinnen aufbaut, hat Sie zu einem beliebten Kooperationspartner der Kosmetikindustrie gemacht. Die Boxen sind der perfekte Transmissionsriemen, um potenzielle Kunden auf Markteinführungen hinzuweisen. „Die Endkunden machen einen guten Deal, weil der Warenwert den Kaufpreis der Box um ein Vielfaches übersteigt und die Firmen schaffen Aufmerksamkeit für neue Produkte“, so Eismann.

Wichtig für den Erfolg der Geschenkboxen im digitalen Ökosystem sei es, eine Geschichte zu erzählen, etwa Produkte zusammenzubringen, die in der Jahreszeit gefragt sind. Es gehe um die Orchestrierung des Ökosystems, dies sei mitunter eine „hochkomplexe Materie“. Die Mühe lohnt sich aber, denn inzwischen hat die metacrew Group GmbH über eine halbe Million Käuferdaten und ist damit ein wichtiger Player im „Direct-to-Customer“-Marketing geworden. Seiner gestiegenen Verantwortung will das Unternehmen gerecht werden. So hat die metacrew gerade in diesem Jahr auf einen CO2-neutralen Versand umgestellt. Wenn man einen engen Draht zu Kundinnen und Kunden aufbauen möchte, sei Glaubwürdigkeit sehr wichtig, so Eismann.

Der Erfolg gibt ihm Recht: Die metacrew Group GmbH gehörte im vergangenen Jahr zu den zehn am schnellsten wachsenden Unternehmen in Deutschland und zu den 25 am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa.

Internet der Dinge und die Blockchain haben spezielle Wertschöpfungsketten

Beim Unternehmen Next Big Thing AG (NBT) ist der Name Programm. Die Experten für IoT & Blockchain sind immer auf der Suche nach der nächsten großen Idee, nach dem nächsten „großen Ding“. NBT sucht in den Bereichen Internet of Things und Blockchain nach disruptiven Ideen und Start-ups und hilft diese umzusetzen bzw. erfolgreich zu machen. „Es ist die eine Sache, eine gute Idee zu haben und eine andere diese umzusetzen. Wir verstehen das Internet of Things, die Blockchain und die damit verbundene Wertschöpfungskette und wollen dabei helfen umzusetzen“, sagt Falco Schütt von NBT.

In seinem Impulsbeitrag wurde deutlich, dass die Themen IoT, Blockchain und Digitalisierung generell in einem neuen Umfeld verortet sind und es wichtig ist, potenzielle Partner und die wichtigen Player zu kennen. So sei es für Unternehmen wichtig, regionale Cluster zu gründen und Kontakte zu knüpfen. Es gäbe Hot Spots für verschiedene Themen. Berlin sei beispielsweise ein Vorreiter in Sachen IoT, Blockchain und E-Commerce, andere europäische und internationale Standorte hätten eigene Schwerpunkte. Gerade bei innovativen Themen und Technologien spiele das eigene Netzwerk mit Experten eine große Rolle.

Von digitalen Heizungsauslesern, sogenannten „smart meters“, die das Auslesen vor Ort überflüssig machen über die vernetzte Inkontinenzhose, die Patienten das Leben erleichtert, bis hin zu einem Fahrstuhl der seinem Betreiber eigenständig informiert, wenn er gewartet werden muss (Stichwort: predictive maintenance) betreut NBT viele spannende Innovationen.

Eine neue Mentalität und Strategie in Unternehmen einbringen

Für den letzten Impuls des Abends sorgte Benjamin Rohé, einer der drei Geschäftsführer von GERMANTECH. Das Unternehmen ist im Park am Gleisdreieck in Berlin ansässig und dort in einem Pop-up-Gebäude untergebracht, zu dem Rohé im Anschluss des Unternehmertreffens zu einem „get together“ einlud. Das Gebäude ist ein Modulbau, vornehmlich aus Holz, der dort nur zeitlich befristet seinen Mietern einen Standort bietet. In wenigen Jahren wird der Bereich zu einem modernen Business-Distrikt mit Bürotürmen weiterentwickelt. In dem derzeitigen Pop-up-Gebäude werden die Zukunft des Standortes und seine Nutzungsmöglichkeiten geplant. Damit ist das Haus eine schöne Metapher für die Arbeit von GERMANTECH: Nicht gekommen, um zu bleiben aber um Bleibendes zu hinterlassen.

Benjamin Rohé und seine beiden Partner in der Geschäftsführung gründen und bauen Unternehmen in Unternehmen. Sie bringen die Start-up-Mentalität in Großkonzerne wie VW, Union Investment oder den Energiekonzern EWE AG. „Unser Ziel ist es digitale Geschäftsmodelle aufzubauen, die für die Konzerne in Zukunft zentral werden oder sogar zum neuen Kerngeschäft der Unternehmen werden“, sagt Rohé. GERMANTECH baut sogenannte „Corporate Start-ups“ in den Großkonzernen auf. Manchmal sei es wichtig, von außen eine neue Mentalität und Strategie ins Unternehmen zu bringen, weil die Strukturen und Abteilungen dort festgefahren und nicht flexibel seien, so Rohé.

Fachwissen und Know-How über digitale Geschäftsmodelle werden vereint

Die große Erfahrung die GERMANTECH mitbringt hilft den Unternehmen sich zu fokussieren und sich nicht im Wald der digitalen Möglichkeiten zu verlaufen. Nachdem man sich gemeinsam für ein Thema bzw. einen Markt entschieden hat, den man adressieren möchte, wird eine Longlist mit bis zu acht Geschäftsideen erstellt und diese immer weiter priorisiert. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Konzerns arbeitet GERMANTECH die Ideen aus, sie werden präsentiert und man entscheidet gemeinsam, welches Geschäftsmodell am vielversprechendsten ist. So kommt das fachliche Know-How mit der großen Erfahrung über das „digital business“ zusammen.

Diese Grundidee ist gleichzeitig auch die „take-away-message“ des Abends. Neue Partnerschaften und Netzwerke sind für erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle wichtig. Anlaufstellen dafür können zum Beispiel die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren sein (www.mittelstand-digital.de), die Unternehmen über ganz Deutschland verteilt als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

 

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