Generationenwechsel für unternehmerisches Wachstum nutzen – hybrid I 2020

Reportage zum 1. hybriden Unternehmertreffen in Saalfeld (und digital)

Von Jan Kürvers am 07.10.2020

Das erste hybride Unternehmertreffen fand in der Werkshalle der Drehtechnik Jakusch GmbH und im Netz statt. (Foto: VDI TZ)

Das erste hybride Unternehmertreffen fand in der Werkshalle der Drehtechnik Jakusch GmbH und im Netz statt. (Foto: VDI TZ) 

 

Das erste hybride Unternehmertreffen des Dialog Unternehmen wachsen richtete sich branchenübergreifend vor allem an Familienunternehmen, bei denen in absehbarer Zukunft ein Generationenwechsel ansteht oder die diesen bereits vollzogen haben. Viele kleine und mittlere (aber auch große) Unternehmen werden als Familienbetriebe geführt. Bei der Drehtechnik Jakusch GmbH in Saalfeld (Thüringen) wurde vor Ort und auch mit einigen digitalen Teilnehmer*innen über das Thema diskutiert.

 

Familienunternehmen sind von enormer volkswirtschaftlicher Bedeutung – 90 Prozent aller aktiven Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen und 58 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten in Familienunternehmen (vgl. Stiftung Familienunternehmen, www.familienunternehmen.de) Die Weitergabe des Unternehmens an die nächste Generation bedarf eines gewissen Maßes an Planung und Umstrukturierung, birgt aber auch Chancen, auch mit Blick auf weiteres Wachstum. Über ihre Erfahrungen zu diesem Thema tauschten sich an diesem Abend virtuell und vor Ort ungefähr 30 Unternehmerinnen und Unternehmer aus.

Wie können Führungsstrukturen den Wachstumsprozess unterstützen und welche Rolle spielen sie beim Generationenwechsel? Welchen Beitrag können digitale Technologien für die Entwicklung des Unternehmens leisten? Welche Rolle spielen Unternehmenswerte als Orientierung im Wachstumsprozess? Diese Fragen standen im Zentrum des Abends und wurden von den Unternehmerinnen und Unternehmern gemeinsam erörtert. Vor dem Austausch lud der Gastgeber, Enrico Jakusch, die Teilnehmer*innen vor Ort zu einem gemeinsamen Unternehmensrundgang ein. Der Maschinenbauer hat seine Produktion vernetzt und sich auf den Weg Richtung Industrie 4.0 gemacht und zeigte, was zur Vernetzung der Maschinen notwendig war.

 

Geschäftsführer Enrico Jakusch bei seinem Impulsvortrag

Geschäftsführer Enrico Jakusch bei seinem Impulsvortrag. (Foto: Falko Smirat)

 

Impulsvortrag Drehtechnik Jakusch GmbH, Enrico Jakusch

Für seinen Impulsvortrag ging Enrico Jakusch auf die 26-jährige Geschichte des Drehtechnik-Unternehmens ein. Gegründet wurde das Unternehmen von seinem Vater, Manfred Jakusch, mit drei Mitarbeitern. Seither wird in der Firma „alles aus Metall“ verarbeitet, so Jakusch. Vor einigen Jahren stand der Generationenwechsel an. Enrico Jakusch nutzte den Wechsel für eine großflächige Digitalisierung. Innerhalb von drei Jahren wurde die Verwaltung vom Papier gelöst, Maschinen mit modernen Anzeige- und Kontrollsystemen ausgestattet und auch das weitere Datenmanagement und die Kommunikation digitalisiert. „Digitalisierung ist eine Investition, die sich auszahlt", so Jakusch.

Und auch der nächste Generationenwechsel in der Familie Jakusch wird vorbereitet. So werden die beiden Söhne langsam an Aufgaben herangeführt und bei Entscheidungen unterstützt. „Bei einem Generationenwechsel ist es wichtig, dass auch falsche Entscheidungen nicht gerügt werden, sondern man sich gemeinsam aus der Situation hilft“, beschreibt Jakusch die Unternehmensphilosophie.

 

André Petrick von der Petrick GmbH

André Petrick von der Petrick GmbH. (Foto: Falko Smirat)

 

Impulsvortrag Petrick GmbH, André Petrick

Auch die Petrick GmbH wird bereits in der zweiten Generation geführt. Seit 1991 produziert sie Röntgenröhren, die unter anderem auch in der Zahnmedizin verwendet werden. André Petrick führt seit 2015 gemeinsam mit seiner Frau, der Tochter von Horst Petrick, das Unternehmen. 2018 übergab Horst Petrick alle Anteile an seine Tochter Antje und verließ das Führungsteam. Wichtig war es, den richtigen Zeitpunkt für die Übergabe zu finden und sie steuerrechtlich so zu gestalten, dass für die nächste Generation möglichst viel Kapital im Unternehmen bleiben kann.

„Bei uns gab es im Zuge des Führungswechsels einige Diskussionen über Zuständigkeiten und Entscheidungen, die auch manchmal beim Abendessen noch Thema waren", so Petrick. Aber genau das gehöre eben dazu. Klare Kommunikation zwischen allen involvierten Parteien. Auch die Mitarbeiter müssen in diesem Prozess lernen, sich an die neuen Vorgesetzten zu wenden, wenn es ein Problem gibt. Ein jahrelang aufgebautes Vertrauensverhältnis kann dann von einem Segen auch mal zum Fluch werden. Das Motto für die Unternehmensnachfolge in der Petrick GmbH ist und bleibt: „Die Übergabe des Unternehmens an die nächste Generation mit warmen Händen“, so Petrick.

 

Dr. Knuth Baumgärtel im Publikum (links) bei der Round-Table-Diskussion.

Links: Dr. Knuth Baumgärtel von der Micro-Hybrid Electronic GmbH bei der Round-Table-Diskussion. (Foto: VDI TZ)

 

Impulsvortrag Micro-Hybrid GmbH, Dr. Knuth Baumgärtel

Dass eine temporäre gemeinsame Führung des Unternehmens eine gute Strategie sein kann, berichtete der dritte Impulsgeber Dr. Knuth Baumgärtel. Er führte die 1992 von seinem Vater gegründete Micro-Hybrid GmbH zum Zeitpunkt der Übergabe noch zwei Jahre lang mit ihm gemeinsam. Beiden war wichtig, dass Baumgärtel vorher seinen eigenen Weg ging und eigene unternehmerische Erfahrungen machte. Die außerhalb des Unternehmens erworbenen Kompetenzen helfen ihm jetzt, das Unternehmen seines Vaters weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Beständiges Wachstum, eine Stärkung der eigenen Position in der Wertschöpfungskette und eine Diversifizierung des Produktportfolios sind nun die Ziele des Nachfolgers und maßgeblich für das weitere Wachstum des Unternehmens.

Das Wachstum war mit einer Internationalisierungsstrategie verbunden, die das Unternehmen vor allem vor sprachliche Herausforderungen stellte. In Ostdeutschland würden immer noch zu wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fließend Englisch sprechen, so Baumgärtel. Er bestätigte auch, dass ein Generationswechsel oftmals auch zu Konflikten führt und dass dies ganz natürlich sei. Allerdings sei wichtig, dass diese vertrauensvoll miteinander und nicht offen vor den Mitarbeitenden ausgetragen werden.

Sie möchten mehr zum Thema Digitalisierung im Mittelstand lesen? Auf der Website der Plattform Industrie 4.0 finden Sie unter anderem auch ein Bericht über die Drehttechnik Jakusch GmbH.

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