Mit Wachstumsstrategien aus der Krise – 1. Ostdeutscher Wachstumstag

Reportage zum 1. Ostdeutschen Wachstumstag am 08. September 2020

Von Jan Kürvers am 14.10.2020

 Der 1. Ostdeutsche Wachstumstag wurde aus der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin gestreamt. (Foto: VDI TZ)

 Der 1. Ostdeutsche Wachstumstag wurde aus der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin gestreamt. Von links: Moderatorin Andrea Thilo, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer Marco Wanderwitz, Staatssekretär in Sachsen-Anhalt Dr. Jürgen Ude und Dr. Silke Stahl-Rolf (Foto: VDI TZ)

 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat am Dienstag, den 8. September 2020, in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt den 1. Ostdeutschen Wachstumstag in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin veranstaltet. Das Thema bei der Premiere lautete „Mit Wachstumsstrategien aus der Krise“. Die Zielstellung des BMWi war gemeinsam Strategien zu identifizieren, die die Unternehmen während der COVID-19-Pandemie sicher und resilient durch die Krise führen können.

 

Der Beauftragte für die neuen Bundesländer, Parlamentarischer Staatssekretär Marco Wanderwitz, stimmte direkt zu Beginn auf das Ziel des Wachstumstags ein: „Der Einbruch der Wirtschaft in Deutschland, Ost und West, aufgrund der Covid-19-Pandemie ist beträchtlich. Wir wollen heute beim 1. Ostdeutschen Wachstumstag diskutieren, wie wir die Wirtschaft in den neuen Bundesländern auf den Wachstumspfad zurückführen können. Dabei geht es nicht nur um die Bewältigung der aktuellen Krise. Es geht auch darum, wie die Wirtschaft in den neuen Ländern zukunftsfest gemacht werden kann und sich die Unternehmen auf drängende Herausforderungen, wie die zunehmende Digitalisierung und den demografischen Wandel vorbereiten können.“

Diese Herausforderungen rufen geradezu nach einem Format wie den vom BMWi initiierten Dialog Unternehmen wachsen, dessen Geschäftsstelle die Organisation des Wachstumstags übernommen hatte. Besonders in Krisenzeiten sei eine Plattform für den Austausch von Unternehmen von besonderer Relevanz, so Wanderwitz. Die neuen Länder seien geprägt von kleinen und mittelständischen Unternehmen und Wettbewerbsvorteile würden daher vor allem im Netzwerk entstehen, führte Wanderwitz fort. Individuelle Strategien könne man den Unternehmer*innen nicht abnehmen, aber man könne sie dabei unterstützen. Diese Unterstützung biete der Dialog Unternehmen wachsen mit den Unternehmertreffen, der Verbreitung von inspirierenden Wachstumsgeschichten und einer Wissensdatenbank, die zukünftig das „Wissen der Vielen“ über Strategien und hilfreiche Informationen zugängig und im Internet auffindbar machen solle.

 

Über einen Chat konnten die Teilnehmenden ihre Fragen stellen. (Foto: VDI TZ)

Über einen Chat konnten die Teilnehmenden ihre Fragen stellen. (Foto: VDI TZ)

 

Förderprogramme aus Sicht der Länder

Dr. Jürgen Ude, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, sprach zunächst die Corona-Soforthilfen an, die für Kleinunternehmer und Mittelständer zu Beginn der Pandemie ein wichtiger Zuschuss gewesen seien, um die unmittelbaren Folgen der Kontakteinschränkungen abzufedern. Jetzt sei jedoch auch der Blick in die Zukunft wichtig. Unternehmenssicherung funktioniere nur über innovative und zukunftsfähige Geschäftsmodelle; die Innovationsförderung von Bund und den Ländern spiele eine entscheidende Rolle. Davon profitieren auch Unternehmen ohne Forschungs- und Entwicklungsabteilung, denn Innovation könne schließlich auch über Prozessoptimierung stattfinden.

Ude hob die besondere Verantwortung der Politik in der Corona-Krise hervor: „Ein sehr wichtiger Teil der Bestandssicherung von Unternehmen ist es, dass die Unternehmen mit Unterstützung des Staates aus der Krise herauskommen. Das ist ein wichtiger Ansatz, den die Politik übernehmen muss. Die Politik muss zeigen, dass gesunde Unternehmen im Rahmen der Förderprogramm und Finanzierungshilfen unterstützt werden.“

Um den 1. Ostdeutschen Wachstumstag auch während der Corona-Pandemie interaktiv zu gestalten, konnten sich die Teilnehmenden über ein interaktives webbasiertes Tool an Umfragen beteiligen und über eine Chatfunktion direkt ihre Fragen an das Podium stellen. Unter anderem wurde gefragt, welche Rolle Innovationsagenturen bei der Stimulierung von Innovation und Wachstum spielen könnten. St Ude erklärte, dass Sachsen-Anhalt die Strategie verfolge, Innovation über Leitmarktaktivitäten zur Förderung der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft anzustoßen, was zu schnellen und sichtbaren Erfolgen geführt hätte. Auf die Frage nach konkreten Zukunftsfeldern für sein Bundesland hob St Ude die E-Mobilität, die Wasserstoffwirtschaft, Bio-Economy und den Gesundheits- und Medizinbereich hervor.

 

Wissenschaftliche Antworten auf eine wirtschaftliche Krise

Einen Impuls zu Wachstumsstrategien und Krisenresilienz aus wissenschaftlicher Sicht gab Prof. Dr. Christiane Hipp, die Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg. Sie zeigte anhand verschiedener Visualisierungen, wie Unternehmerinnen und Unternehmer auf die Krise reagieren und welche wirtschaftlichen Perspektiven sich daraus ergeben. Primär nannten die befragten Unternehmen eine Stärkung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie die Entwicklung von Zukunftsperspektiven als Wege, resilient durch die Krise zu kommen.

Die Resilienz von Unternehmen gestalte sich durch mehrere Ansätze, erklärte Hipp. Einer dieser Ansätze sei das Scannen und Bewerten von schwachen Marktsignalen. Nicht nur Mega- und Branchentrends seien relevant, auch schwächere Marker könnten dabei helfen, nötige Veränderungen für ein Unternehmen frühzeitig zu erkennen und sich entsprechend vorzubereiten. Für eine detailliere Beschäftigung mit dem Vortrag von Frau Prof. Hipp, stellen wir Ihnen die Präsentation hier zum Download bereit.

 

Für die Podiumsdiskussion wurden drei ostdeutsche Unternehmerinnen und Unternehmer eingeladen. (Foto: VDI TZ)

Für die Podiumsdiskussion wurden drei ostdeutsche Unternehmerinnen und Unternehmer eingeladen. Von links: Oliver-Marc Rados, Kirstin Knufmann, Andrea Thilo, Marco Wanderwitz, Dr. Jürgen Ude, Prof. Dr. Christiane Hipp, Dr. Christian Jakschik (Foto: VDI TZ)

 

Podiumsdiskussion mit Unternehmerinnen und Unternehmern

Die Gesprächsrunde wurde für die Podiumsdiskussion um drei Unternehmer*innen erweitert. Sie bereicherten die Runde um Perspektiven aus der Praxis und berichteten über ihre Erfahrungen mit der derzeitigen Krisensituation. Beim 1. Ostdeutschen Wachstumstag waren

  • Kirstin Knufmann, Geschäftsführerin der PureRaw, Knufmann GmbH,
  • Stefan Jakschik, Vorstandvorsitzender der ULT AG und
  • Oliver-Marc Rados, Geschäftsführer der Oscomed GmbH

auf dem Podium vertreten.

Die Wachstumsgeschichten dieser Unternehmen wurden kurz vorgestellt. Wer sich dafür interessiert, findet hier die inspirierenden Interviews mit den Unternehmerinnen und Unternehmern.

 

Kirstin Knufmann spricht bei der Podiumsdiskussion des 1. Ostdeutschen Wachstumstags. (Foto: VDI TZ)

Kirstin Knufmann spricht bei der Podiumsdiskussion des 1. Ostdeutschen Wachstumstags. (Foto: VDI TZ) 

 

Als Themen für die Diskussion wählten die virtuell Teilnehmenden per Online-Voting Digitalisierung und Kreativitätstechniken. Die Digitalisierung habe in den Entwicklungsprozessen seiner Firma, auch in der Krisenzeit, zu einem sehr engen Austausch der beteiligten Akteure geführt, berichtete Dr. Stefan Jakschik. „Ich bin begeistert, wie viele neue Softwaretools ich in der Krisenzeit kennenlernen konnte, und wie die ganze Belegschaft dabei mitgezogen hat“, fasste Jakschik zusammen. Oliver-Marc Rados hob hervor, dass Digitalisierung gerade in jüngeren Unternehmen eine wichtige Funktion habe und auch nicht mehr wegzudenken sei. Kundenkontakt und -akquise ließe sich jedoch noch nicht vollständig in den digitalen Raum übersetzen. Dafür seien noch einige technische Hürden zu überwinden. Wanderwitz wandte ein, dass auch trotz technischer Hürden die digitale Erschließung neuer Zielgruppen und Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner eine große Chance sei, bei der auch der Bund mit seiner Förderprogrammatik die richtigen Anreize setzen könnte.

In diesem Zusammenhang erwähnte Kirstin Knufmann im Verlauf der Diskussion das Prinzip der „Coopetition“ bzw. des Kooperationswettbewerbs. Das bedeutet, dass auch konkurrierende Unternehmen strategische Allianzen bilden, um damit gemeinsame Wettbewerbsvorteile nutzen zu können. Knufmann nutzte in den vergangenen Jahren dieses Prinzip, um über gemeinsame Kommunikationsstrategien eine höhere Glaubwürdigkeit und Stärke für ihre Marke zu etablieren.

Zum Thema Kreativitätstechniken erklärte Christiane Hipp, dass bereits ein effektives Brainstorming und andere Projektmanagementmethoden geübt werden wollen. Jakschik wies in diesem Zusammenhang auch auf die enge Verzahnung von Wirtschaft und Fachhochschulen in Ostdeutschland hin. Hier sei eine enge Zusammenarbeit möglich und Unternehmen könnten vom Input der FHs zu Kreativitätstechniken und anderen Management-Innovationen im großen Maße profitieren.

 

Prof. Dr. Christiane Hipp und Dr. Christian Jakschik diskutieren auch nach der Veranstaltung weiter. (Foto: VDI TZ)

 Prof. Dr. Christiane Hipp und Dr. Christian Jakschik diskutieren auch nach der Veranstaltung weiter. (Foto: VDI TZ)

 

Fazit des 1. Ostdeutschen Wachstumstags

Im Laufe der eineinhalbstündigen Veranstaltung wurden viele Facetten des Themas Wachstumsstrategie diskutiert und wie sie in der aktuellen Krise den Unternehmen nützen können. Dieser Austausch machte den Beteiligten deutlich, dass ein gemeinsamer Dialog darüber, unabhängig vom Produkt, der Dienstleistung oder der Branche der beteiligten Unternehmen ein Gewinn für alle darstellen kann. Eine besondere Rolle spiele Veränderungsbereitschaft: „Innovation hat mit jedem Schritt im Unternehmen etwas zu tun. Man steht nie still und schaut regelmäßig mit Abstand auf das eigene Unternehmen. Was kann ich besser machen? Wo liegen meine Kompetenzen? Man sollte sich nicht auf Fördermittel verlassen, man sollte sie als Add-on sehen, während man eigenen Innovationsaktivitäten nachgeht“, schloss Knufmann.

Oder mit anderen Worten: Wachstum führt zu Beständigkeit und nur wer optimistisch und ambitioniert nach vorne schaut, kann in der jetzigen Situation Kraft und Ideen für die Bewältigung der Krise in der Gegenwart finden. 

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