Digitale Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen – hybrid II 2020

Reportage vom Unternehmertreffen bei der Pflegeplatzmanager GmbH

Von Tim Gabel am 19.10.2020

 Alexander Bauch, Co-Gründer der Pflegeplatzmanager GmbH. (Foto: VDI TZ)

 Alexander Bauch, Co-Gründer der Pflegeplatzmanager GmbH. (Foto: VDI TZ)

 

Die Gesundheitsbranche kann die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um angesichts der älter werdenden Bevölkerung neue Lösungen für Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Sie trägt dazu bei, die Versorgungssituation zu verbessern und birgt gleichzeitig Wachstumspotenziale für Unternehmen. Die Pflegeplatzmanager GmbH ist dafür ein gutes Beispiel. Die ehemaligen Leiter eines Pflegeheims, Alexander Bauch und sein Partner Chris Schiller suchten eine digitale Lösung für Entlass- und Aufnahmeprozesse in Pflegeheimen. Als sie keine fanden, gründeten sie eine eigene Kommunikationsplattform für Kliniken und Nachversorger – mit Erfolg.

 

2018 gründeten Chris Schiller und Alexander Bauch die Pflegeplatzmanager GmbH. Seither bieten sie eine Kommunikationsplattform an, welche die Menschen, die Pflege benötigen, mit Pflegeplätzen zusammenbringt. Alexander Bauch ging für seinen Impulsvortrag auf die Probleme der stationären Pflege und der Krankenhäuser ein. Die Organisation von Pflegplätzen sei schwierig, da die Auslastung in den Einrichtungen hoch und die Prozesse wenig digitalisiert seien.

Die Kommunikationsplattform der Pflegeplatzmanager GmbH möchte für eine schnellere Vermittlung sorgen, musste dafür aber einige Hürden überwinden. Im Gesundheitswesen gibt es nur einen geringen finanziellen Spielraum und kaum Digitalisierungsanreize. Man könne von einer „Generation Fax“ sprechen, so Bauch. Trotz der offensichtlichen gesellschaftlichen Vorteile gäbe es eine Reihe von Vorbehalten, die bisherigen Prozesse zu ändern und zu durchbrechen. Dass die beiden CEOs des Pflegeplatzmanagers selbst aus dem Gesundheitsbereich kommen, ist allerdings ein Vorteil und sorgte für erste Erfolge und ein Wachstum des relativ jungen Start-ups. Der Tipp der beiden Unternehmer: Die Sorge, dass alles unpersönlich werde und ins Internet abwandere sei groß. „Hier muss man mit einer gezielten Begleitung und guten Schulung zu seinem System Ängste abbauen“, sagt Alexander Bauch.

 

Die Teilnehmer hören beim Unternehmertreffen zunächst den Impulsgebern zu, bevor die Diskussionsrunde beginnt. (Foto: VDI TZ)

Die Teilnehmer hören beim Unternehmertreffen zunächst den Impulsgebern zu, bevor die Diskussionsrunde beginnt. (Foto: VDI TZ)

 

Impuls TAKWA GmbH – Ingo Buchholz

Ingo Buchholz bietet mit der TAKWA GmbH gleich mehrere digitale Lösungen im Gesundheitswesen an. Darunter sind ein Projekt zur Überprüfung und Verbesserung von Schmerztherapien (QUIPS), ein digitales Stiftsystem zur effizienten Rettungsdokumentation und ein System für den Qualitätsvergleich von Intensivstationen. Buchholz baut mit seinen Angeboten oftmals eine Brücke zwischen der klassischen Papierablage und der digitalen Welt. Auch hier ginge es darum, die Menschen im Gesundheitssystem behutsam an die Digitalisierung heranzuführen und Barrieren abzubauen.

Bisher würden Behandlungsverträge zweimal ausgedruckt, zweimal unterschrieben und dann in die Ablage gegeben. Die Abrechnungsabteilung wäre dann mit der Aufgabe beschäftigt, diese Verträge digital zu erfassen, so Buchholz. Und weiter: „Die Idee von Takwa ist hier, mit dem ePen eine rechtsverbindliche Unterschrift zu erreichen. Dann hat das Krankenhaus kein Papier mehr.“ Allerdings wird immer noch ein Vertrag für den Patienten ausgedruckt, den er dann mit nach Hause nehmen kann. Die eigentlichen Treiber für Innovation und Digitalisierung seien dabei allerdings Gesetzgebungsverfahren, wenn z.B. digitale Unterschriften als rechtsverbindlich erklärt würden. Hier wäre der Gesetzgeber in der Pflicht, neue Technologien gleichzustellen.

 

Impuls sciendis – Michael Aleithe

Auch Michael Aleithe treibt die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft voran. Mit der 2019 auf den Markt gebrachten Wundera-App können Wunden sprachgesteuert dokumentiert werden. Das bisherige Dokumentationsverfahren sei sehr ineffizient und durchaus auch unhygienisch gewesen, so Aleithe. Eine digitale Wunddokumentation ist deutlich schneller und soll dem Gesundheitswesen Geld einsparen. Die alten Pflegedokumentationssysteme würden vor allem von den kommenden Entscheidungsträgern ersetzt werden, also der Generation, für die digitale Kommunikation zum Alltag gehöre.

Aleithes Strategie für sein junges und wachsendes Start-up ist die Nische. Man müsse konsequent bleiben und flexible Schnittstellen zu anderen Systemen aufbauen, um auf Marktentwicklungen reagieren zu können: „Wir wollen uns auf unsere Stärken konzentrieren und nicht zur eierlegenden Wollmilchsau werden“, so Aleithe. Gerade im Digitalen wären Alleinstellungsmerkmale und der Wille das was man macht auch hundertprozentig zu machen, sehr wichtig.

 

In der Diskussion tauschen sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen aus. (Foto: VDI TZ)

In der Diskussion tauschen sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen aus. (Foto: VDI TZ)

 

Diskussion – Berührungsängste abbauen und Digitalisierung auch intern begleiten

In der gemeinsamen Round-Table-Diskussion sprachen die Teilnehmenden über ihre Geschäftsmodelle und ihre bisherigen Erfahrungen mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Unter anderem zeigt Andreas Weigel, Geschäftsführer der diginetmedia, seine Virtual-Reality-Brillen, die in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen eingesetzt werden. Er ist davon überzeugt, dass man als Unternehmer Berührungsängste abbauen müsse, damit die Digitalisierung auch von den Patienten angenommen wird. „Die Begeisterung für das Erlebnis sich in einer virtuellen Umgebung umzuschauen, schafft auch bei Älteren Lust auf Technik. Wenn das Ergebnis passt und die Pflegebedürftigen mal wieder Orte in der gewohnten Umgebung oder auch in fernen Ländern besuchen können, dann wird die VR-Brille sehr schnell angenommen“, sagt Weigel.

Dass die Digitalisierung auch intern bei den eigenen Mitarbeitern begleitet werden sollte, darauf ging Dr. Dirk Olbert ein, der als selbstständiger Digitalisierungscoach Management-Beratung für die digitale Transformation anbietet: „Je länger gewartet wird, desto mehr muss Digitalisierung Top-Down verordnet werden. Eine frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter ist jedoch essenziell für den Erfolg. Ich verstehe mich als Zuhörer, Begleiter und ermutigender Partner. Ich stelle Fragen – die Lösungen entstehen gemeinsam.“ Man solle gerade bei der Implementierung von neuen Tools oder Prozessen direkt zu Beginn darüber nachdenken, wie man die Wochen rund um die Veränderung begleitet und gestaltet, in denen die Mitarbeiter etwas Neues lernen müssen, dürfen, sollen. „Diese Zeit gilt es gewinnbringend zu nutzen“, so Olbert. Sinnvoll sei auch, die Mitarbeiter möglichst schon der Lösungsanbieterwahl und der Konzeption zu beteiligen.

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