Gründen in Serie: An (Miss-)Erfolgen wachsen

Von Anja Luckas am 21.12.2021

Sie haben es nicht nur einmal getan, sondern immer wieder. Sie haben Rückschläge erfahren und finanzielle Einbußen erlitten. Dennoch würden sie es immer wieder tun. Wie ticken Serial Entrepreneurs? Und was unterscheidet sie von anderen Gründer:innen? Antwort auf diese Fragen bekamen die Teilnehmer:innen des Unternehmertreffens am 9. Dezember 2021 von der Berliner Unternehmerin Chanyu Xu und dem Gründer und Leipziger Start-up-Coach Hendrik Schulze. Zwei „Serientäter“ aus Überzeugung.

 

Chanyu Xu und Hendrik Schulze bringen als Serial Entrepreneurs Ideen zum Fliegen. (Fotocollage: VDI TZ)

 

Wenig Mut machten zunächst die Zahlen, die Chanyu Xu gleich zu Beginn ihres Impulsreferates präsentierte. Demnach scheitern langfristig 90 Prozent aller Start-ups. Lediglich jedes zweite schafft die Fünf-Jahres-Marke. Ebenso erging es auch der Unternehmerin selbst: Zwar konnte sie ihr erstes im Jahr 2009 gegründetes Unternehmen, einen „Software as a Service“-Anbieter für die Hotelbranche, nach kurzer Zeit erfolgreich verkaufen. Danach folgten jedoch im Zwei-Jahres-Rhythmus weitere weniger glückliche Gründungsversuche, die sie wegen ausbleibenden Erfolgs abbrechen musste – in einem Fall endete das Vorhaben sogar in der Insolvenz. Seit 2017 aber ist Chanyu Xu nun Geschäftsführerin der erfolgreichen her1 GmbH mit Sitz in Berlin und hat „jede Menge dazugelernt“.

Das Scheitern habe sie jedenfalls niemals zum Aufgeben veranlasst. Im Gegenteil: „Gerade früh zu scheitern ist gut“, sagt sie. „Denn auch Misserfolge haben mir geholfen.“ Die Seriengründerin will junge Leute also nicht abschrecken, sondern ihnen Mut machen, die eigene Vision zu verwirklichen und ein Unternehmen zu gründen. So habe sie aus ihrer eigenen Geschichte gelernt, dass oftmals gar nicht die eigenen Vorstellungen, sondern das richtige Timing entscheidend für den Unternehmenserfolg sein kann. Als Beispiel nannte sie Lieferdienste, die seit Corona einen wahren Boom erleben. Ebenso wichtig seien die Geschwindigkeit im Entscheidungsprozess, das Denken in kurzen Abständen und schließlich die Bereitschaft, angebotene Hilfe auch anzunehmen.

Konzentration auf die Kernkompetenz

Dass nicht jeder zum Gründer geboren ist und „sich Rückschläge leichter hinnehmen lassen, wenn man weiß, was man tut“, weiß auch Hendrik Schulze aus eigener Erfahrung. Vier Unternehmen hat der Leipziger seit 2005 gegründet, schaltete anfangs „wie im Actionfilm immer einen Gang höher“ und erlebte schließlich Höhen und Tiefen. Bis er sich irgendwann fragte, wofür er eigentlich wirklich brenne. Nämlich „eine Idee zum Fliegen zu bringen“. Deshalb berät er seit nunmehr sechs Jahren als Coach bei der HHL Spinlab Accelerator Gmbh in Leipzig junge Start-ups in der Anfangsphase. Ähnlich wie Chanyu Xu, die gelegentlich auch als Business Angel in Erscheinung tritt und dem Beirat Junge digitale Wirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft angehört, rät auch Schulze ihnen, nicht zu lange nachzudenken und sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren. „Alles andere ist verschenkte Zeit“, so der Serial Entrepreneur.

Schulze kennt die Fehler, über die Unternehmensgründer:innen gerade in der Anfangsphase stolpern. Seien es finanzielle Schwierigkeiten, die Fehleinschätzung des Marktes oder aber das falsche Team. Letzteres ist für Schulze das alles entscheidende Kriterium, um eine Vision erfolgreich zu verwirklichen. „Team, Team, Team.“ Ohne das richtige Team, in dem jeder weiß, was er kann, sei das Scheitern vorprogrammiert. Schließlich funktioniere ein erfolgreiches Unternehmen „ähnlich wie eine gute Fußballmannschaft, die den Torwart ebenso braucht wie den guten Stürmer und den Mittelfeldspieler.“

Richtiges Mindset gefragt

Silke Stahl-Rolf, Geschäftsführerin des Dialogs Unternehmen wachsen, betonte in ihrem Abschlussfazit des Unternehmertreffens nochmal die Bedeutung des Mindsets für Unternehmer:innen. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, Gestaltungswille, Kreativität und emotionale Stabilität bei einer gesunden Risikofreude seien wesentliche Voraussetzungen für erfolgreiche Gründungen, die zudem noch günstige Umstände bräuchten. Die beiden Impulsredner:innen boten den teilnehmenden Unternehmer*innen inspirierende Einblicke in die Persönlichkeit von Serial Entrepreneurs.

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