Wachstum benötigt Strategie

Treffen Greifswald

Marke, Partnerschaften, Netzwerke – ganz unterschiedliche Wachstumsstrategien präsentierten drei Unternehmen aus der Region beim 2. Unternehmertreffen „Unternehmen: wachsen" am 11.07.2017 im BioTechnikum Greifswald. Zu der Veranstaltung hatte Iris Gleicke, Beauftragte des Bundes für die neuen Länder, eingeladen, organisiert wurde sie in Zusammenarbeit mit den Clustern BalticNet-PlasmaTec und BioCon Valley sowie der WITENO GmbH.

Anlass der Initiative und Grundkonsens der Teilnehmer: Für die neuen Bundesländer ist ein starkes, nachhaltiges Wachstum von Unternehmen erforderlich. Kleine und mittlere Unternehmen haben gegenüber großen Unternehmen ihre Stärken (höhere Flexibilität, ausgeprägte Kundennähe, höhere Bindung ans Unternehmen etc.) aber auch ihre Schwächen (niedrigere Investitions- und Innovationstätigkeit, weniger und seltenere Produktinnovationen, Probleme bei der Erschließung neuer Märkte etc.) Da in Ostdeutschland große, international agierende Unternehmen fehlen, weisen die neuen Bundesländer ein erhebliches strukturelles Defizit auf.

Bei den Unternehmertreffen steht der Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Dieser ist aus mehreren Gründen wichtig: Best-Practice-Beispiele bieten die ideale Möglichkeit für Unternehmen, um die eigene Unternehmensentwicklung kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Unternehmensnetzwerke können so gefestigt und vergrößert werden. Das Motto für die Veranstaltungen lautet daher: Unternehmen lernen von Unternehmen.

In ihren Impulsbeiträgen gaben die Geschäftsführer der Prolupin GmbH aus Grimmen, Hersteller von Lebensmittelzutaten aus der Blauen Süßlupine, der DEN GmbH, dem Greifswalder Spezialisten für Telekommunikationsübertragungs- und Zugangsnetze, und der Enzymicals AG, einem Greifswalder Unternehmen, das biokatalytische Prozesse für die Synthese komplexer Chemikalien entwickelt, Einblicke in ihre Herangehensweisen und Entscheidungsprozesse bei der erfolgreichen Unternehmensentwicklung.

Malte Stampe, Geschäftsführer der Prolupin GmbH, erläuterte die Wachstumsstrategie des Unternehmens. Diese setzt auf eine starke Markenpositionierung. Die 2015 eingeführte Marke „MADE WITH LUVE“ steht für LUpine und VEgane Ernährung, wobei sich der Markenauftritt bewusst vom üblichen Erscheinungsbild veganer Produkte abhebt. Das Unternehmen baut auf Forschungsarbeiten am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) auf und verfügt über eine global geschützte Plattform Technologie zur Verarbeitung von Lupinen. Bis 2016 wurden mehr als 2,5 Millionen Produkte verkauft. Für 2017 ist eine Verdoppelung der Verkaufszahlen geplant. Neben der Markenpositionierung und dem Patentschutz sind insbesondere das Know how der am Unternehmen beteiligten Anteilseigner, die Einbeziehung von Experten im Rahmen eines Senior Network aber auch die Einbeziehung der Mitarbeiter in die Entwicklung der Wachstumsstrategie für die gute Entwicklung mit verantwortlich.

Präsentation Prolupin GmbH

Die DEN GmbH, deren Wachstumsgeschichte durch Werner Dietzsch, Geschäftsführer Strategischer Bereich der DEN GmbH, vorgesellt wurde, setzt insbesondere auf strategische Partnerschaften mit großen (internationalen) Unternehmen wie z.B. Huwawei oder NEC sowie Hochschulen. Auf diesem Weg ist es dem Unternehmen, das 1992 als Tochterunternehmern der Ericsson AB gegründet wurde und in seiner heutigen Form 1996 durch ein Management-Buy-Out entstand, möglich, komplexe Systemlösungen als Projektdienstleister anzubieten. Es verfügt über 25 jährige Projekterfahrungen auch im Ausland. Die Ingenieure und Techniker planen landesweite Mobilfunknetze, große WLAN Netze und sind im Breitbandausbau aktiv.

Präsentation DEN GmbH

Vorstand Dr. Ulf Menyes berichtete über die Wachstumsstrategie der Enzymicals AG. Das Unternehmen versteht sich als Netzwerkunternehmen an der Schnittstelle von Forschung/Entwicklung und industrieller Verwertung. So kann es die gesamte Wertschöpfungskette von der Enzym-Identifikation und -optimierung, Reaktionsoptimierung bis hin zu Prozessentwicklung und Pilotierung, Produktion und Vertrieb abdecken. Wichtig für die langfristige Wachstumsstrategie ist, dass das Unternehmen statt auf Venture Capital oder Bankkapital auf strategische Investments der Seed-Investoren BRAIN AG und BBG "Braun Beteiligungs GmbH" setzt. Dadurch konnte die langfristige Finanzierung gesichert und zugleich Erfahrungen für die Gestaltung des Wachstumsprozesses in das Unternehmen geholt werden. Im Jahr 2016 stieg der Umsatz des 2009 gegründeten Unternehmens, das aktuell ein interdisziplinäres Team von 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, auf über eine Million Euro.

Präsentation Enzymicals AG

In der sich anschließenden Diskussion mit den Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmern wurde deutlich, dass es die eine Strategie zum Unternehmenswachstum nicht gibt, auch wenn die Herausforderungen branchenübergreifend ähnliche sind – wie etwa Finanzierung oder Fachkräftegewinnung. Zudem erfordern unterschiedliche Entwicklungsphasen eine Anpassung der Wachstumsstrategien.

Es gab aber auch eine Reihe von Gemeinsamkeiten. So wurden von allen Beteiligten die Bedeutung langjähriger Managementerfahrung des Managementteams und die Zusammenarbeit mit großen Unternehmen hervorgehoben. Dies erfordert erhebliche eigene betriebswirtschaftliche- und juristische Kompetenz sowie Wissen darüber, wie und mit welchen Strategien Großunternehmen arbeiten. Wichtigster Erfolgsfaktor sind die eigenen Mitarbeiter. Daher arbeiten die drei Unternehmen eng mit Hochschulen zusammen.

Einigkeit herrschte insbesondere beim Thema Kooperation: Dem Aufbau belastbarer Kooperationsnetzwerke maßen alle drei Referenten besondere Bedeutung bei. Besonders junge Unternehmen würden hier zu oft vor Zusammenarbeit und Austausch scheuen, aus Angst vor Informationsabflüssen. Vertrauen in die Kooperationspartner ist denn auch eine wesentliche Voraussetzung für gute Zusammenarbeit.

Insgesamt bestätigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass ein organisches Wachstum mit kleinen Verbesserungen unter Nutzung des im Unternehmen vorhandenen Potenzials für die Weiterentwicklung des Unternehmens zentral ist. Aus Erfahrungen im Umgang mit Risiken in der Vergangenheit habe man gelernt.

Mit den inhaltlichen Impulsen und den anschließenden Netzwerkgesprächen bot das 2. Unternehmertreffen „Unternehmen: wachsen" eine hervorragende Grundlage zum Aufbau von Kontakten und Vertrauen für weitere erfolgreiche Unternehmensentwicklungen in der Region.