Mit Forschung zukünftiges Wachstum forcieren - virtuell II 2020

Reportage zum 2. virtuellen Unternehmertreffen (COVID-19-Pandemie)

Von Tim Gabel am 04.08.2020

Virtuelle Konferenz aus Sicht des Standortes Berlin

Die virtuelle Konferenz aus Sicht des Standortes Berlin. (Foto: VDI TZ)

 

Die positiven Erfahrungen aus dem ersten virtuellen Unternehmertreffen des Dialogs Unternehmen wachsen im Mai haben das BMWi und die Geschäftsstelle des Dialog Unternehmen wachsen bestärkt, das Format fortzusetzen. Auch das zweite virtuelle Treffen im Juni bot Gelegenheit, darüber zu sprechen, welche unternehmerischen Herausforderungen die Covid-19-Pandemie an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellt. Die Kernfrage war: Wie kann man das eigene Unternehmen resilient durch die Krise führen und müssen dafür Geschäftsmodell und Wachstumsstrategie angepasst werden? Deutlich wurde, dass die ökonomische Krise bereits weiter fortgeschritten ist und die Unternehmen zugleich an Lösungen für die Zukunft arbeiten.

 

Beim zweiten virtuellen Unternehmertreffen im Juni haben wiederum über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit genutzt, sich in einer virtuellen Konferenz über Erfahrungen mit und Auswirkungen der Krise auszutauschen. Die beiden Impulsvorträge kamen diesmal von Stefan Jakschik, dem Vorstandsvorsitzenden und CTO der ULT AG, einem sächsischen Anbieter von lufttechnischen Anlagen für die Beseitigung von Schadstoffen aus industrieller Prozessluft in Löbau und Marc Stößer, dem Geschäftsführer der KSV GmbH (Kompetenz für Schienengebundene Verkehre GmbH), einem Unternehmen aus Leipzig, welches verschiedene Dienstleistungen (Beratung, Technik, Betrieb) in der Eisenbahnbranche anbietet.

 

Kurzarbeitergeld und staatliche Forschungsförderung wichtige Unterstützungsformen

Vorab präsentierte Silke Stahl-Rolf, Leiterin der Geschäftsstelle des Dialog Unternehmen wachsen in Berlin, erste Analysen zu Auswirkungen der Pandemie und die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Geschäftsstelle, an der sich inzwischen rund 40 Unternehmen aus Ostdeutschland beteiligt haben. Eine deutliche Entwicklung zeigte sich bei der Einschätzung der Befragten, welche Maßnahmen der öffentlichen Hand besonders wirkungsvoll sind. War im Mai das Kurzarbeitergeld noch abgeschlagen auf dem vierten Platz gelandet, wurde es jetzt gemeinsam mit den staatlichen Soforthilfen als wichtigste Unterstützungsform genannt. Daran lässt sich erkennen, dass die Krise inzwischen in den Betrieben angekommen ist, auch wenn keiner der Teilnehmer bislang kurzfristig Liquiditätsprobleme hat.

Die staatliche Forschungsförderung wird als wichtiges Mittel in der Krise zur Vorfinanzierung von Entwicklungsprojekten und damit Innovationen genannt. Die Stärkung von Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung wurde insgesamt als ein möglicher Ausweg aus der Krise gesehen.

 

Probleme werden durch Corona sichtbar, die Antwort ist ein starkes „Wir“

Stefan Jakschik von der ULT AG ging in seinem Vortrag darauf ein, dass die Covid-19-Pandemie in Unternehmen vor allem Probleme aufgedeckt hat, die auch vorher schon existierten: „Der Virus hat bestimmte Themen und Herausforderungen herausgeschält, die auch vorher schon bestanden, die aber jetzt erst sichtbar sind. Der Umbruch in der Automobilbranche war zum Beispiel schon absehbar, seine Notwendigkeit jetzt demaskiert“, so Jakschik. Herausforderungen für sein Unternehmen waren vor allem die Grenzschließungen und anspruchsvolle Hygienemaßnahmen trotz geringer Fallzahlen. Zudem sei der fehlende Kundenkontakt in Folge der Messeabsagen anfangs nicht einfach gewesen. Inzwischen hat man aber eine digitale ULT Academy aufgebaut und versuche so, neue digitale Kommunikationswege zu beschreiten. Entscheidend für Resilienz in der Krise sei, die Belegschaft mitzunehmen und zusammenzurücken, auch mit anderen regionalen Partnern.

Ein starkes „Wir“ ist auch für Marc Stößer von der KSV GmbH entscheidend. Man müsse Ängste und Sorgen bei der Belegschaft zerstreuen und aufeinander zugehen: „Was alle immer fordern, wird jetzt vielleicht ein bisschen konkreter, wir müssen zusammenwachsen“, so Stößer. Auch die Suche nach neuen digitalen Geschäftsmodellen sei lohnenswert. So biete seine Firma zum Beispiel Onlinetrainings für den Bahnverkehr an, das sei eine Innovation, die auch durch Corona getrieben worden sei. „Im Prinzip haben wir im Bereich des Schienenverkehrs immer alle auf einen bestimmten Moment gewartet. Zum Beispiel was die Vernetzung von Fahrzeugen oder digitale Kupplungsanlagen angeht. Jetzt muss man einfach mal machen“, sagt Marc Stößer.

 

Qualifiziertes Personal auf dem Arbeitsmarkt, neue Kultur des Miteinanders gefragt

Im Anschluss an die beiden Impulsvorträge wurde offen und konstruktiv über mögliche Chancen der Krise und Voraussetzungen gesprochen, die notwendig sind damit Unternehmen Resilienz in Krisenzeiten aufbauen können. Dabei konnten einige Unternehmer der Krise auch gute Seiten abgewinnen, so wie Andreas Feldhaus, Geschäftsführer der Pauli Kunststofftechnik GmbH. Beispielsweise „können wir als KMU qualifizierte Mitarbeiter gewinnen, die in großen Firmen derzeit nicht gebraucht werden, zum Beispiel weil sie als Lehrlinge nicht übernommen werden“, so Feldhaus.

Einen Gedankenanstoß lieferte zum Schluss der Diskussion Thomas Fleck, Geschäftsführer der Netresearch DTT GmbH, einem Anbieter von E-Commerce-Lösungen für Unternehmen mit eigenem Online-Geschäftsmodell. Er wies auf die kulturellen Änderungen hin, die in Unternehmen vollzogen werden und die die Geschäftsführung möglichst begleiten sollte: „Wichtig ist zum Beispiel auch über eine virtuelle Kaffeeküche nachzudenken, zum Austausch der Kolleginnen und Kollegen oder über die Frage nachzudenken wie man mit dem Bedürfnis der Mitarbeiter umgeht, auch nach der Krise weiter mobil zu arbeiten“, so Fleck. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass die Covid-19-Pandemie einen Digitalisierungsschub erzwingt, der ohne Krise so nicht vorstellbar gewesen ist.

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