Durch die Krise mit gelungener Kommunikation – virtuell III 2020

Reportage zum 3. virtuellen Unternehmertreffen (COVID-19-Pandemie)

Von Tim Gabel am 01.09.2020

 Vorbereitungen zum Unternehmertreffen

Vorbereitungen zum Unternehmertreffen. (Foto: VDI-TZ)

 

Das dritte virtuelle Unternehmertreffen des Dialog Unternehmen wachsen richtete sich vor allem an Unternehmen aus der Medizintechnikbranche und Gesundheitswirtschaft. Eine Branche, die in den letzten Monaten besonders im Fokus stand. Einerseits wurden viele geplante Operationen und Eingriffe verschoben, viele Unternehmen mussten Kurzarbeit anmelden. Andererseits wurde besonderer Aufwand betrieben, um mit systemrelevanten Produkten für die Corona-Krise gerüstet zu sein, etwa in puncto Beatmungsgeräte. Über ihre Erfahrungen in und mit der Krise tauschten sich an diesem Abend rund 20 Unternehmerinnen und Unternehmer aus.

 

Im Dialog sein und bleiben und einen „vertrauensvollen Austausch mit anderen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern führen, um voneinander zu lernen“, das war die Motivation der virtuellen Begegnung von Unternehmerinnen und Unternehmern aus Ostdeutschland, die Tobias Zuchtriegel vom Bundeministerium für Wirtschaft und Energie zu Beginn des Gesprächs nochmal hervorhob. Schon bei der Vorstellungsrunde war zu erkennen, dass dies auch die grundlegende Motivation für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war. Wie agieren andere Unternehmen in der Krise? Wie gehen sie mit den Auswirkungen um? Was sind möglicherweise auch Chancen der Krise? Mit diesen Fragen und dem Bedürfnis, die eigenen Herausforderungen zu skizzieren und auch mal zur Debatte zu stellen, wurden die Erwartungen an den Abend umrissen.

 

Angebot des BMWI: Unterstützung bei der strategischen Geschäftsentwicklung

Bevor das eigentliche Thema des Abends diskutiert wurde, berichtete Lars Krömer, vom Institut für Mittelstands und Regionalentwicklung, über ein neues Pilotvorhaben: Das BMWI unterstützt auf der Grundlage des Strukturstärkungsgesetzes mittelständische Unternehmen bei der strategischen Geschäftsentwicklung in Braunkohleregionen. Im Rahmen der Pilotphase haben Unternehmen in den ostdeutschen Braunkohleregionen die Chance, attraktive Förderbedingungen für die Beauftragung einer individuellen, externen Unternehmensberatung zu nutzen: https://imreg.de/proaktiv2020.html

Silke Stahl-Rolf, Leiterin der Geschäftsstelle des Dialog Unternehmen wachsen in Berlin, präsentierte daraufhin erste Analysen zu Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die ostdeutsche Wirtschaft und die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Geschäftsstelle, an der sich inzwischen über 40 Unternehmen aus Ostdeutschland beteiligt haben. Eine deutliche Entwicklung zeigte sich bei der Einschätzung der Befragten, welche Maßnahmen der öffentlichen Hand besonders wirkungsvoll sind. War im Mai das Kurzarbeitergeld noch abgeschlagen auf dem vierten Platz gelandet, wurde es jetzt gemeinsam mit den staatlichen Soforthilfen als wichtigste Unterstützungsform genannt. Daran lässt sich erkennen, dass die Krise inzwischen in vielen Betrieben angekommen ist.

 

Erster Eindruck zu den Auswirkungen von Covid-19 auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Die staatliche Forschungsförderung wird als wichtiges Mittel in der Krise zur Vorfinanzierung von Entwicklungsprojekten und damit Innovationen genannt. Die Stärkung von Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung wurde insgesamt als ein möglicher Ausweg aus der Krise gesehen. Ein erstes Bild zur Lage in den Unternehmen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde mit dem Umfragetool Menti eingeholt. Auf die Frage: In welcher Hinsicht hat Sie die Covid-19-Pandemie betroffen antworteten die Teilnehmer u.a.:

  • „mittelbar – durch Kunden, die von Covid betroffen sind“,
  • „Umsatzwachstum in krisenrelevanten Produktbereichen“ oder
  • „Investoren haben sich aus dem Markt zurückgezogen“.

Auch daran zeigt sich, dass die Auswirkungen der Krise für die Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft sehr vielfältig waren und sind. Die passenden Eindrücke aus dem Alltag in Unternehmen lieferten dazu die beiden Impulsvorträge von Ulrich Krauss, CEO der Firma Analytik Jena AG und Dr. Carsten Mahrenholz, CEO der coldplasmatech GmbH.

 

Impulsvortrag Analytik Jena AG – Ulrich Krauss

In seinem Impulsvortrag ging Ulrich Krauss auf seine spezifischen Herausforderungen aber auch Bewältigungsstrategien und Erfolgsfaktoren in der Krise ein. Das Unternehmen Analytik Jena hat etwa 1000 Mitarbeiter und ist Spezialist für die Herstellung von analytischer und bioanalytischer Messtechnik und durch das Betätigungsfeld Laboranalyse auch mit der Herstellung von systemrelevanten Produkten betraut gewesen. „Wir sind deshalb von Beginn der Krise an in einem Spannungsfeld unterwegs gewesen. Einerseits den Mitarbeiterschutz sicher zu stellen, andererseits die Lieferfähigkeit aufrecht zu erhalten“, so Krauss. Der größte Faktor, um erfolgreich durch die Krise zu kommen sei dabei seines Erachtens die Kommunikation. „Es geht darum, trotz physischer Distanz, eine soziale Nähe aufzubauen und seine Vorbildfunktion, etwa beim Tragen von Masken, zu erfüllen“, so der Analytik-Geschäftsführer. Das gelte nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Kunden und Lieferanten. Auch wenn Geschäfte kurzfristig einbrechen, sei die Sichtbarkeit bei Kunden gerade in so einem Moment für die Zukunft entscheidend. Ein gutes Management der Lieferketten, ein breites Produktportfolio und die internationale Präsenz des Unternehmens seien weitere Erfolgsfaktoren gewesen, so Krauss.

 

 

Sprecher Carsten Mahrenholz beim virtuellen Unternehmertreffen

 Sprecher Carsten Mahrenholz beim dritten virtuellen Unternehmertreffen. (Screenshot: VDI TZ)

 

Impulsvortrag coldplasmatech GmbH – Dr. Carsten Mahrenholz

Eine ganz andere Perspektive, und zwar die eines Start-ups, bot Dr. Carsten Mahrenholz mit seinem Input zum Unternehmertreffen. Die coldplasmatech GmbH hat sieben Mitarbeiter und vertreibt ein Produkt, das erst seit kurzer Zeit die Zulassung für den ersten Gesundheitsmarkt hat. Das Unternehmen produziert eine Wundauflage mit der sich schlecht heilende Wunden mittels kaltem Plasma behandeln lassen. „Als kleine, agile Einheit konnten wir schnell reagieren und haben es unseren Angestellten freigestellt, ob sie ins Büro kommen. Der Mitgründer Tobias Güra und ich haben uns abgewechselt. Wir waren nie zur gleichen Zeit im Unternehmen“, so Mahrenholz. Die Priorität lag darauf, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und sich den Marktbedingungen anzupassen. Es sei natürlich schwieriger mit potenziellen Kunden in Kontakt zu kommen. Aber ein starkes Netzwerk, eine solide Kapitaldecke und die digitalen Kanäle seien Erfolgsfaktoren, um in der Krise Widerstandsfähig zu bleiben. „Es ist wie in der Natur, man muss genügend Ressourcen haben und die richtigen Vorkehrungen treffen, um Dürrezeiten zu überstehen und danach wieder aufzublühen“, so der Geschäftsführer der coldplasmatech GmbH.

 

Diskussion: Agile, autark arbeitenden Einheiten und transparente Kommunikation

In der darauffolgenden Diskussion wurden die Schilderungen von Carsten Mahrenholz und Ulrich Krauss nochmal aufgegriffen. Auch große Unternehmen könnten sich hier eine Scheibe von der Start-up-Kultur abschneiden. Die Arbeitsfähigkeit in relevanten Bereichen aufrecht zu erhalten, sei auch dort durchaus in bestimmten Bereichen über die Schaffung von kleinen, autark arbeitenden Einheiten zu realisieren. Dass Kommunikation das „A und O“ in der Krise ist, darauf ging Thomas Grellner, Geschäftsführer der Sinfonie Verwaltungs GmbH aus Henningsdorf, nochmal ein: „Je transparenter das Unternehmen ist, desto einfacher ist es, auch schwierige Themen zu kommunizieren“, so Grellner.

Dass die Herausforderungen in der Branche sehr divers sind, skizzierte Dr. Eike Dazert vom Medizintechnik-Cluster medways in Jena: „Es gibt Unternehmen, die haben keine Probleme und welche, bei denen alle Geschäftsfelder weggebrochen sind. Das ist nicht nur gutes Management, sondern auch Glück“, so Dazert. Als Netzwerk könne man Unternehmen zum Beispiel bei der Einstufung als krisenrelevantes Unternehmen unterstützen oder „neue Partner matchen“, wenn zum Beispiel ein Lieferant oder Kunde weggebrochen ist. „Unseren kleinen Unternehmen fehlen aber derzeit sehr die Präsenzformate bei Messen oder Konferenzen mit Industrieausstellungen, bei denen man in den Kaffeepausen ungezwungen über mögliche Kooperationen oder Geschäfte sprechen kann“, so Dazert. Hier sei in Sachen digitale Messeformate noch Luft nach oben.

 

Moderation des Chats aus dem Berliner Büro.

Moderation des Chats aus dem Berliner Büro. (Foto: VDI TZ)

 

Unterschiedliche Bedürfnisse, ähnliche Lösungsansätze

So unterschiedlich die Bedürfnisse sind, so einhellig wurden aber auch die Ansätze beschrieben, die ein Unternehmen resilient durch die Krise bringen können. Klaus Dornbusch vom BMWi fasste diese am Schluss der Veranstaltung noch einmal zusammen: „Die Digitalisierung der Unternehmen ist ein ganz wichtiger Aspekt – das wird bleiben. Der Kontakt und die enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern sind in der Krise entscheidend, genauso wie mit den Kunden. Was auch immer wieder erwähnt wurde ist die Diversifizierung: Man sollte sich möglichst breit aufstellen, in puncto Technologien, Produkte und Märkte und dabei im Unternehmen kleine Gruppen bilden, die auch agil und autark handeln können“, so Dornbusch.

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